Grußwort des
Bundespräsidenten
Der Friede von Münster und Osnabrück war ein europäisches Ereignis. Die Erinnerung an ihn war es bisher nicht - zu groß blieben die nationalen, politischen und konfessionellen Gegensätze und die daraus folgenden Differenzen der Bewertung.

Die Ausstellung "1648 - Krieg und Frieden in Europa" und die begleitenden wissenschaftlichen Kongresse schlagen ein neues Kapitel auf. Sie sind in europäischer Zusammenarbeit entstanden, wenden sich an die breite europäische Öffentlichkeit und zeigen die Bedeutung des Dreißigjährigen Krieges und des Westfälischen Friedens für ganz Europa. Die Ernennung zur Europaratsausstellung und die Schirmherrschaft der Staatoberhäupter vieler am Vertragsschluß beteiligter Nationen unterstreichen diese besondere europäische Dimension.

Der gemeinsame Blick in die Geschichte fördert unser gutes Miteinander und wird zugleich von ihm geschärft: Durch den jahrzehntelangen Hader hindurch erkennen wir klarer das Gemeinsame der Leiden und Leistungen aller Konfliktparteien. Sie alle erlitten die Schrecken des Krieges und erfuhren seine unbeherrschbare Gewalt, sie alle sehnten sich zunehmend nach Frieden und suchten Wege aus dem Verhängnis. Gemeinsam schufen sie eine neue Ordnung für das System der europäischen Mächte, für die innere Balance des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation und für das Zusammenleben der Konfessionen in Mitteleuropa. Sie erkannten auch, daß nicht die Glaubens- und Gewissensfreiheit, sondern ihre Unterdrückung das Zusammenleben bedrohte, und gewährten entsprechende Freiräume.

Mit dem Erfolg von Münster und Osnabrück war die Welt nicht für immer friedlich und gut. Aber das dort Erreichte geriet nicht in Vergessenheit. Der Westfälische Friede beeinflußte tief und dauerhaft die zwischenstaatlichen Beziehungen und den Kanon der Grund- und Menschenrechte, die Verfassungen einer Reihe europäischer Staaten und das Miteinander der Glaubensgemeinschaften in Europa. Vor allem bleibt er ein Vorbild für die Fähigkeit, nach Zeiten ungeheuren Schreckens wieder eine auf gegenseitige Achtung gegründete Ordnung zu stiften. Der Westfälische Friede ist somit Teil unserer europäischen Identität.

Roman Herzog
Präsident der Bundesrepublik Deutschland

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Grußwort des Generalsekretärs des Europarates


Die Unterzeichnung des Westfälischen Friedens steht am Anfang des modernen Europa. Mehr als jedes andere historische Ereignis bereitete sie den Weg zu einem völlig neuen Konzept internationalen Verständnisses, auf dem die gegenwärtige Ordnung dieses Kontinents noch heute fest begründet ist. Nach vielen Jahrzehnten eines unvorstellbar schrecklichen Krieges, des Blutvergießens und der Kämpfe einigten sich kriegsmüde, völlig erschöpfte Nationen und ihre Herrscher endlich darauf, ihre Verschiedenheit zu akzeptieren und auf die Austragung von Meinungsunterschieden mit Waffengewalt zu verzichten. Dies war mehr als nur ein Waffenstillstand, mehr als eine Atempause, die den beteiligten Parteien die Möglichkeit zur erneuten Aufrüstung gegeben hätte. Vielmehr wollte dieser Vertrag das Bewußtsein und die Einstellungen der Menschen verändern - und für viele, viele Jahre gelang dies, denn mit dem Westfälischen Frieden begann eine zuvor nicht gekannte Periode von Frieden und Wohlstand für den größten Teil Europas. Die Vertäge von Münster und Osnabrück festigten die Vielfalt kultureller Lebens- und Ausdrucksformen, die heute unser größter Stolz und unser größter Reichtum ist.

Spätere Ereignisse - näher an unserer Gegenwart und bis in sie hineinreichend - zeigen uns freilich, daß die Lektion, die uns unsere Vorfahren von vor 350 Jahren gelehrt haben, von jeder Generation erneut gelernt werden muß und daß auch wir nach der Verwirklichnung der von ihnen gesetzten Ideale streben müssen. Die letzten gesamteuropäischen Kriege wie auch die eher lokalen Konflikte, die wir im Augenblick erleben, machen dies auf grausame Art klar. Indem sie offene Wunden, ungelöste Probleme und Groll, feindliche Ideologien und schwelenden Haß zwischen den Völkern zurücklassen, führen Vereinbarungen, die nur auf Zweckdenken, nicht aber auf einem wirklichen Bewußtseinswandel beruhen, beinahe unausweichlich zu neuen Konfrontationen.

Beharrlich und unnachgiebig hat sich der Europarat seit seinen Anfängen unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg darum bemüht, diesen Teufelskreis aufzubrechen und die Voraussetzungen für einen langandauernden Frieden und für Gerechtigkeit auf der Basis pluralistischer demokratischer Institutionen zu schaffen. Dies impliziert natürlich Freiheit innerhalb einer stabilen und aufgeklärten Gesellschaft, in der die eigene kulturelle Identität eher als Chance für einen bereichernden Dialog mit anderen gesehen und empfunden wird denn als Banner, unter dem man sich gegen andere sammelt.

Die Reihe der Ausstellungen begann vor nahezu 50 Jahren, und das jetzige Ereignis ist zweifellos der sichtbarste Ausdruck der nie nachlassenden Bemühungen des Europarats, unseren europäischen Mitbürgern das Gefühl zu vermitteln, daß sie insgesamt ein zusammengehörendes Ganzes bilden: eine Kultur, die sich sicherlich auf gemeinsame Werte gründet, aber mehr noch eine lebendige Kultur, die weit in die Vergangenheit zurückreicht und deren Zukunft von der Teilnahme jedes einzelnen abhängt.

Die unglückliche Generation der Europäer, die in den Jahren vor dem Abschluß des Westfälischen Friedens lebte, hätte man nicht eigens überzeugen müssen, daß Friede und Zusammenarbeit unzweifelhaft Krieg und Konfrontation vorzuziehen seien. Möge dieses Gedenken, an dem der Europarat sich mit großer Freude beteiligt, uns für unsere Zeit an diese Tatsache erinnern und unsere Entschlossenheit und Wachsamkeit erneuern.

Daniel Tarschys
Generalsekretär des Europarates

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Grußwort des Direktors des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe


Europa feiert den Westfälischen Frieden: Am 24. Oktober 1998 jährt sich zum 350. Mal die Unterzeichnung der Verträge von Münster und Osnabrück und damit das Ende des Dreißigjährigen Krieges. Dieser erste umfassende Friedensschluß beendete einen der längsten und blutigsten Konflikte auf unserem Kontinent. Bis heute bildet er eine wichtige Grundlage der europäischen Entwicklung.

Die historische Region des Friedensschlusses - Westfalen und das Osnabrücker Land - fühlt sich dem Gedenken in besonderer Weise verpflichtet. Darum haben sich im Sommer 1994 die Städte Münster und Osnabrück, der Kreis Steinfurt, der Landkreis Osnabrück und der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) zur Veranstaltungsgesellschaft 350 Jahre Westfälischer Friede mbH zusammengeschlossen. Der Bund und die beiden Bundesländer Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen standen als Mäzene großzügig zur Seite. Weitere Förderung erfuhr das Gesamtprojekt von der Nordrhein-Westfalen-Stiftung für Naturschutz, Heimat- und Kulturpflege.

Ziel des Zusammenschlusses war es, die Erforschung des Westfälischen Friedens und seiner Vor- und Nachgeschichte zu fördern, eine breite europäische Öffentlichkeit mit den Folgen des Krieges zu konfrontieren und somit das Verantwortungsgefühl der Politik für das friedliche Zusammenleben auf unserem Kontinent zu stärken. Eine Aufgabe, die uns allen angesichts kriegerischer Auseinandersetzungen im Europa der Gegenwart leider auch lange nach dem Jubiläum erhalten bleibt.

Im Zentrum aller Vorbereitungen des Jubiläums stand von Anfang an die große kulturgeschichtliche Ausstellung in Münster und Osnabrück, den beiden ehemaligen Verhandlungsorten. Sie wurde aus Straßburg schon bald mit dem begehrten Status einer Europaratsausstellung kulturpolitisch ausgezeichnet. Dieses ehergeizige Unternehmen konnte nur durch das an der Sache orientierte Zusammenspiel aller beteiligten Institutionen und Gruppen zu einem glücklichen Ende gebracht werden. Bemerkenswert war hier vor allem die enge Zusammenarbeit der beiden Städte Münster und Osnabrück, die allein es ermöglichte, eine Ausstellung gleichzeitig an zwei Orten zu realisieren.

Mit besonderer Dankbarkeit ist an dieser Stelle das Engagement der Sponsoren der Europaratsausstellung zu erwähnen. So haben die beiden Landesbanken der beteiligten Bundesländer, die Nord/LB Hannover und die WestLB Düsseldorf, sowie die Ruhrgas AG Essen großzügig dazu beigetragen, den Handlungsspielraum der Veranstaltungsgesellschaft und die Arbeitsbedingungen des Ausstellungsteams um Prof. Dr. Klaus Bußmann zu verbessern.

Ihnen allen möchte ich an dieser Stelle herzlich danken. Der Ausstellung "1648 - Krieg und Frieden in Europa" wünsche ich eine große Resonanz in Münster und Osnabrück, in Westfalen und in ganz Europa.

Wolfgang Schäfer
Direktor des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) und Vorsitzender des Aufsichtsrates der Veranstaltungsgesellschaft 350 Jahre Westfälischer Friede mbH

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Vorwort


Dreihundertfünfzig Jahre nach Abschluß des Westfälischen Friedens steht Europa vor einer grundlegenden Neuordnung. Den deutschen und europäischen Frieden, der 1648 in Osnabrück und Münster geschlossen wurde, an den Orten der Verhandlungen durch eine große Ausstellung zu feiern, nachdem die vorangegangenen runden Daten 1898, 1948 etc. dazu wenig Anlaß boten und auch die Historiographie wenig dazu motivierte, war zwingend. Der Europarat hat mit der Verleihung des Ehrentitels "Europaratsausstellung" unsere Arbeit unterstützt und zugleich auf eine der Quellen des heutigen neuzeitlichen Europa verwiesen. Dafür gebührt ihm Dank.

Der Komplexität des Themas und dem Aufwand der Vorbereitung und Organisation angemessen, hat eine Arbeitsgemeinschaft der Städte, Kreise, Länder und des Bundes unter Federführung des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe in der Veranstaltungsgesellschaft 350 Jahre Westfälischer Friede mbH die finanziellen und technischen Voraussetzungen zur Realisierung geschaffen. Ohne diese auch im politischen Raum abgesicherten Rahmenbedingungen wäre die Ausstellung kaum möglich geworden. Mein Dank geht daher an alle dafür Verantwortlichen, die auch das schwierige Geschäft des Interessenausgleichs zwischen den Partnern bravourös gemeistert haben.

Der von der Veranstaltungsgesellschaft berufene Wissenschaftliche Beirat hat in vielen Sitzungen, Diskussionen und Beratungen die Grundlagen für die Konzeption der Ausstellung erarbeitet. Einen zentralen Platz in der Zusammenfassung der neuesten Forschungsergebnisse in Form eines mehrmals erneuerten Regiebuches hatte, bis zu seinem plötzlichen Tod, Dr. Karl Georg Kaster, dem wir zu sehr großem Dank verpflichtet sind. Ein Glücksfall für unsere Arbeit war Dr. Eva Berger, die als stellvertretende Ausstellungskommissarin den Osnabrücker Part bei den Ausstellungsvorbereitungen kurzfristig übernahm.

Die Arbeit des Wissenschaftlichen Beirates wurde ergänzt und erweitert durch die Mitarbeit von vielen internationalen Spezialisten, die in Arbeitsgruppen in verschiedenen europäischen Ländern oder in Symposien ihre spezifischen Aspekte in die Diskussion einbrachten und die Ausstellungsvorbereitung mit wichtigen Anregungen bereicherten. Stellvertretend für alle Kollegen, die sich in besonderer Weise engagiert haben, möchten wir Prof. Jacques Thuillier vom Collège de France in Paris, Drs. Daniëlle Lokin vom Stedelijk Museum Het Prinsenhof in Delft sowie Dr. Hans-Martin Kaulbach von der Staatsgalerie Stuttgart danken.

Wichtig war uns, die ausländischen Kollegen, vor allem auch aus den mittel- und osteuropäischen Ländern, in die Debatte mit einzubeziehen und die sich seit 1989 bietende Chance einer gesamteuropäischen Kooperation zu nutzen.

Die Entscheidung, deutsche und europäische Perspektive zu verbinden, die historischen mit kultur- und kunsthistorischen Fragestellungen zu verknüpfen, war von Anfang an prägend für die Konzeption der Ausstellung. Das Dilemma aller auf Geschichtsereignisse bezogener Ausstellungen - in der Fülle unanschaulicher historischer Dokumente zu versinken oder durch inszenatorische Gags aus der Klamottenkiste der Museumsdidaktik neue Erlebniswelten zu schaffen - ist kaum lösbar, wie sich in den zahlreichen historischen Ausstellungen der letzten Jahre gezeigt hat. In den gegenwärtigen internationalen Diskussionen über eine Neubestimmung des Kulturbegriffs und einer adäquaten Kulturgeschichte kann diese Ausstellung als Versuch verstanden werden, anhand von Werken der europäischen Hochkultur und von Alltagsgegenständen eine anschauliche Synthese von Kunst und Geschichte zu bieten. Dabei verfügen insbesondere die großen Kunstwerke durch ihren bildhaften Charakter über eine Vielschichtigkeit, in der das Wesentliche dieser Epoche - Tradition und Motivation, Ängste und Sehnsüchte, das Elend des Krieges und die Befreiung durch den Frieden - am tiefsten zum Ausdruck kommt.

Die Konzeption und schließlich auch die Katalogbeiträge sind bewußt interdisziplinär und methodisch breitgefächert angelegt. Das konkrete Objekt wird jeweils zum Maßstab und Prüfstein erhoben. Seine Authentizität gilt es zu erfassen und einzuordnen. Insofern ist die Ausstellung nur ein Medium, in der zentrale Aussagen der "Botschaft" vermittelt werden. Die Beiträge des Kataloges, die Arbeit der Medien in Presse, Fernsehen, Internet, die Arbeit der Pädagogen in den Schulen und die als Vorbereitung zur Ausstellung gezeigte Interaktionsveranstaltung "Vivat Pax" in Münster und Osnabrück, die wissenschaftlichen Kongresse an den beiden beteiligten Universitäten - all dies sind ebenso wichtige Möglichkeiten, nicht nur die Erinnerung an das Geschehen aufzufrischen, sondern seine Bedeutung für die Gegenwart zu erörtern. Die Teilnahme zahlreicher Staatsoberhäupter Europas an dem Festakt der Ausstellungseröffnung am 24. Oktober 1998 bezeugt die fortwirkende Geltung des westfälischen Friedenskongresses als einem der ersten "lieux de mémoire" der europäischen Neuzeit.

Eine Ausstellung von höchster Komplexität, die an die Aufnahmefähigkeit des Besuchers erhebliche Anforderungen stellt - trotz des langwierigen Reduktionsprozesses, den Drehbuch, Objektauswahl und Themen in den letzten Monaten erfahren haben-, ist notgedrungen das Ergebnis von kollektiven Anstrengungen, auch von Kompromissen, die für den jeweiligen Spezialisten schmerzlich sind.

Ohne das engagierte junge Ausstellungsteam im Hause unter der Führung des Projektleiters Dr. Hermann Arnhold, das bis an die Grenzen der Erschöpfung an Katalog, Textbänden, CD-Rom, Raumtexten und davor an ausgedehnten Themen- und Objektrecherchen gearbeitet hat, wäre das Unternehmen zum Scheitern verurteilt gewesen. Veranstaltungen dieser Art sind nicht per Knopfdruck abrufbar wie die Beiträge der grassierenden Unterhaltungskultur, sondern setzen das physische und intellektuelle Engagement, die denkende und kritische Mitarbeit aller Beteiligten voraus. Dies gilt auch für die praktische Umsetzung, für die ich dem gesamten Ausstellungsteam, dem Architekten, der Ausstellungsorganisation, dem Ausstellungsmarketing sowie den Mitarbeitern der beiden Häuser und allen anderen Helfern meinen aufrichtigen Dank aussprechen möchten.

Klaus Bußmann
Ausstellungskommissar und Direktor des Westfälischen Landesmuseums für Kunst und Kulturgeschichte Münster

Heinz Schilling
Vorsitzender des Wissenschaftlichen Beirats und Professor für Geschichte der Frühen Neuzeit an der Humboldt-Universität zu Berlin

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