Vernichtung oder Ritterlichkeit - vom Umgang mit Besiegten

Wechselndes Kriegsglück - Sieg und Niederlage - mussten alle Parteien immer wieder während des Dreissigjährigen Krieges erleben. Doch was passierte nach einer Schlacht oder Belagerung, wie verhielten sich die Sieger, wie erging es den Unterlegenen? Magdeburg, das schon im 16. Jahrhundert ein Symbol PROTESTANTISCHER Widerstandskraft gewesen war, hatte den kaiserlichen, katholischen Rat vertrieben. Deshalb schlossen die Truppen unter Tilly die Stadt ein, die auch strategisch wichtig für den Feldherrn war. Trotz Unterstützung durch eine schwedische Garnison konnte Magdeburg dem Sturm Tillys am Morgen des 20. Mai 1631 nicht standhalten. Die siegestrunkenen Soldaten waren nicht mehr zu zügeln und fielen mordend, plündernd, vergewaltigend in Magdeburg ein. Bei dem morgendlichen Angriff war ein Stadttor in Brand geschossen worden, doch mittags schlugen plötzlich an zwanzig verschiedenen Stellen Flammen empor. Wegen des heftigen Windes brannte innerhalb kürzester Zeit die gesamte Stadt nieder und schwelte noch drei ganze Tage lang. Bis auf den Dom und 50 Häuser lag alles in Schutt und Asche. 24.000 Einwohner starben durch die rasenden Soldaten und das Feuer, nur 5.000 überlebten. Dass eine Stadt nach einem erfolgreichen Angriff geplündert wurde, war während des Dreissigjährigen Krieges nichts außergewöhnliches. Doch die ungeheuerliche Nachricht der totalen Vernichtung einer ganzen Stadt und ihrer Einwohner erschütterte vor allem das protestantische Europa. Ungeklärt wird bleiben, ob das Feuer beim Plündern entstanden war oder ob es der Offizier der schwedischen Garnison absichtlich hatte legen lassen, um Tillys Beute (Wertgegenstände ebenso wie Nahrungsmittel) und eventuell auch dessen Truppen zu vernichten. Dass sich Sieger auch anders verhalten können, zeigt die Belagerung von Breda, von der wir schon berichtet haben. Schon aus der Sicht der Zeitgenossen demonstrierten die Spanier unter ihrem Feldherrn Ambrogio Spinola erstaunliche Großzügigkeit nach ihrem Sieg: Kranke und verwundete Soldaten durften bis zu ihrer Genesung, Protestanten noch zwei Jahre in der Stadt bleiben, aller Besitz und alle städtischen Abmachungen blieben unangetastet. Nur protestantische Priester und die Garnison mussten abziehen. Mit dem Verzicht auf unnötige Gewalt zeigten Spinola und seine Truppen Verantwortungsbewusstsein und Achtung des Gegeners. Diese Ritterlichkeit des Soldaten, die Bändigung von Gewalt durch menschliche Größe, ist eine der Antworten auf die Grausamkeiten des Krieges. AF

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