Kaiser, König, Edelmann, Bürger, Bauer, Bettelmann... - die Stände

Augsburg war Ende des 16. Jahrhunderts eine Großstadt mit knapp 50000 Einwohnern. Als REICHSSTADT verwaltete sie sich selbst und hatte nur den Kaiser über sich. Die meisten Städte waren mit nur wenigen Tausend Einwohnern viel kleiner und unterstanden einem Landesherrn.
An der Spitze der städtischen Bevölkerungspyramide standen die Ratsherren. Die meisten von ihnen gehörten einem kleinen Kreis exklusiver Familien an, die den Stadtadel bildeten und die politische Macht in ihren Händen hielten. An Reichtum ebenbürtig, aber nicht immer an politischem Einfluß, waren die Familien der Kaufleute und Unternehmer. Mit ihren weitgespannten Handelsgeschäften begründeten sie den Wohlstand der Stadt. Die Handwerker waren je nach Berufszweig in Zünften zusammengeschlossen und hatten, obwohl sie zahlenmäßig die Mehrheit der Bürger bildeten, viel weniger Einfluß. Die große Masse der Stadtbewohner, die Knechte, Mägde, Lohnarbeiter, Tagelöhner, Altgesellen und Kleinhändler war sehr arm und hatte kaum Rechte. Am unteren Ende der gesellschaftlichen Stufenleiter standen die, die überhaupt nichts besaßen und betteln mußten. Für die Bauern, die drückende Steuern und Abgaben zu zahlen hatten, waren Markttage meist die einzige Gelegenheit, ein wenig Geld zu verdienen.
So üppig und friedlich wie auf diesem Winterbild ging es allerdings vielerorts nicht mehr zu, denn die Bevölkerung war durch die REFORMATION in protestantische und katholische Lager gespalten. In Augsburg kam es 1555 zu einer Art Waffenstillstand, dem Augsburger Religionsfrieden, der beide KONFESSIONEN voreinander abgrenzte und anerkannte. Doch davon wird noch ausführlicher die Rede sein. KK

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