Aus dem Leben eines Söldners

Während die Lebensläufe der Generäle und Feldherren besser bekannt sind, weiß man fast nichts über die Schicksale der einfachen Soldaten. Dennoch hat sich ein Tagebuch eines Söldners erhalten, dessen genauen Namen man allerdings nicht kennt. Seine ersten Kriegserfahrungen machte er 1625 in Italien, als er auf Seiten Venedigs gegen die Spanier kämpfte. Danach wurde er abgemustert und ging zu Fuß über die Alpen nach Ulm. Hier trat er 1627 in das Regiment des Reitergenerals von Pappenheim ein, der auf kaiserlicher Seite kämpfte. An dieser Stelle beginnt unser (gekürzter) Tagebuchauszug aus den Jahren 1627-31: "Acht Tage nach Pfingsten, auf die heilige Dreifaltigkeit, habe ich mich mit der ehrentugendsamen Anna Stahlerin verheiratet. Nach Frankfurt, durch nach Wolfenbüttel im Braunschweiger Land. Das habe wir belagert und Schanzen (Befestigungen) davor gebaut und der Stadt heftig zugesetzt, so dass sie sich haben ergeben müssen. Wir sind 18 Wochen davor gelegen. Später hat man uns kommandiert nach Stadte, unterhalb von Hamburg. Damals ist mein Weib niedergekommen. Das Kind ist alsbald gestorben. Gott gebe ihm eine fröhliche Auferstehung. Ist ein junger Sohn gewesen. Vor Stadt sind wir gelegen. Am Karfreitag (1628) haben wir Brot und Fleisch genug gehabt, und am heiligen Ostertag haben wir kein Mund voll Brot haben können. Im Jahr 1629 haben uns gelagert vor Stralsund (Pommern). Dieses Mal, während ich weg gewesen, ist meine Frau mit einer jungen Tochter erfreut worden. Ist auch in meiner Abwesenheit getauft worden, Anna Maria. Ist auch gestorben. Gott verleihe ihr eine fröhliche Auferstehung. Von Stralsund sind wir mit zwei Schiffen in das Gebiet der Kaschuben (Hinterpommern). Hier haben wir kein Rindfleisch mehr wollen essen, sondern es haben müssen Gänse, Enten und Hühner sein. Wo wir über Nacht gelegen sind, hat der Wirt müssen einem jeweden eine halben Taler geben, aber im Guten, weil wir mit ihm zufrieden sind gewesen und haben ihm sein Vieh im Frieden gelassen. So sind wir mit den 2000 Mann hin und her gezogen, 7 Wochen lang. Von da auch nach Spandau (bei Berlin) und wieder in die Mart, in unser Quartier. Bald danach in diesem Jahr 1629 sind wir mit dem ganzen Regiment aufgebrochen und gezogen in die Wetterau (nordwestlich von Frankfurt am Main). Hier haben wir wieder gutes Quartier gehabt, 20 Wochen lang. Hier ist meine junge Frau wieder mit einer jungen Tochter verehrt worden, ist getauft worden Elisabeth. Nach 20 Wochen sind wir aufgebrochen und gezogen nach Westfalen. Unser Quartier ist gewesen in Lippstadt. Den Winter sind wir darin gelegen. Im Jahr 16330 sind wir hier aufgebrochen und gezogen nach Paderborn. Von Paderborn nach Niedermarsberg, nach Goslar im Harz und nach Magdeburg. Haben uns verlegt auf Dörfer und die Stadt blockiert. Den ganzen Winter stillgelegen auf Dörfern bis zum Frühling im Jahr 1631. Da habe wir etliche Schanzen eingenommen im Wald vor Magdeburg. Da ist unser Hauptmann vor einer Schanze, neben vielen anderen, totgeschossen worden. Den 20. Mai haben wir mit Ernst angesetzt und gestürmt und auch erobert. Da bin ich mit stürmender Hand ohne allen Schaden in die Stadt gegkommen. Aber in der Stadt, am Neustädter Tor, bin ich zwei mal durch den Leib geschossen worden. Das ist meine Beute gewesen. Nachher bin ich in das Lager geführt worden, verbunden, denn einmal bin ich durch den Bauch, vorne durchgeschossen worden, und zum andern durch beide Achseln, so dass die Kugel ist in dem Hemd gelegen. Also hat mir der Feldscher (Arzt) die Hände auf den Rücken gebunden, damit er hat können den Meißel einbringen, so bin ich in meine Hütte gebracht worden, halbtot. Wie ich nun verbunden will, ist mein Weib in die Stadt gegegangen, obwohl sie überall gebrannt hat, und hat wollen ein Kisssen holen und Tücher zum verbinden. Ist nun das Geschrei ins Lager gekommen, die Häuser fallen alle übereinander, so dass viele Soldaten und Weiber, welche mausen wollten, dain müssen bleiben. Doch hat Gott sie behütet. Sie kommt nach anderthalb Stunden gezogen aus der Stadt. So hat sie mir auch gebracht eine große Kanne von 4 Maß Wein und hat außerdem auch 2 silberne Gürtel gefunden und Kleider, so dass ich dafür 12 Taler eingelöst habe zu Halberstadt."

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