Die Plagen des Krieges

Die grausamen Auswirkungen des Krieges, das berühmt-berüchtigte Motto Wallensteins „Der Krieg ernährt den Krieg“, musste die Bevölkerung am eigenen Leib erleben: Gab sie nicht freiwillig Unmengen von Lebensmitteln zur Ernährung der riesigen Truppen ab, wurden Vieh und Getreide brutal durch die Soldaten herausgepresst. Damit einher gingen Plünderung, Vergewaltigung, Verstümmelung und Mord. Plünderungen waren den Soldaten sogar erlaubt, wenn die Söldnerführer die Truppen nicht bezahlen konnten und eine Stadt erfolgreich belagert worden war. Die sinnlose Zerstörung von Häusern, Gerätschaften und die Vernichtung der Ernte führte zur Verelendung der Landbevölkerung und zu Hunger in den Städten. Natürlich gab es auch Gebiete, die weitgehend vom Krieg verschont blieben oder sogar von ihm profitierten - Oldenburg und Hamburg etwa. Doch wohin immer sich die tausendköpfigen Heere langsam wälzten, hinterließen sie eine breite Spur der Verwüstung. Auf die Bedrohung durch die Heere reagierte die Landbevölkerung mit Verstecken von Vermögen und Vieh, mit dem Wiederaufbau der zerstörten Höfe an weniger gefährdeten Stellen oder durch Flucht - meistens in befestigte Städte. Es wurden Warnsysteme und Verteidigungsorganisationen aufgebaut. Gewählte Führer verhandelten direkt mit den Militärs; gegen Bezahlung sehr hoher Geldsummen wurden dann Schutzbriefe (Salvagardien) ausgestellt uund die Städte nicht geplündert.. Steuererhöhungen, Kriegschäden an Gebäuden und Gerätschaften sowie fehlende Einnahmen mangels Feldbestellung zogen eine zunehmende Verschuldung und den Aufschwung des Kreditwesens nach sich. Hierzu kam die kriegsbedingte Verschlechterung des Geldes. Der Krieg führte auch in den nicht unmittelbar betroffenen Gebieten zu großen Bevölkerungsverlusten. Durch die REKRUTIERUNG der Jungen und Männer gab es in manchen Dörfern - sieht man von kleinen Kindern und Greisen ab - nur noch eine rein weibliche Bevölkerung. Wer vom Krieg verschont blieb, musste fürchten, Opfer von Seuchen, vor allem der Pest, zu werden, die sich in Windeseile entlang der Handels- und Heeresstrassen ausbreitete. Der „Schwarze Tod“ kostete zum Beispiel während der großen Pestwelle 1347 jeden dritten Europäer das Leben. Auch in den folgenden Jahrhunderten fielen der Pest Zehntausende zum Opfer. Die Ärzte waren machtlos, weil sie noch nicht wussten, dass die Pest durch Flöhe von Ratten auf die Menschen übertragen wurde. Begünstigt wurde ihre rasche Ausbreitung dadurch, dass sich damals mehrere Personen ein Bett und damit auch Ungeziefer und Kankheitserreger teilten. Bei den ersten Anzeichen der Krankheit erhielt niemand mehr Zutritt zur Stadt. Märkte und Messen fanden nicht mehr statt. Wer konnte, floh aufs Land, denn man glaubte, die Pest komme von der „schlechen Luft“. Die anderen schlossen sich in ihre Häuser ein und verbrannten beruhigende Kräuter wie Rosmarin, Lavendel oder Thymian. Die Angst der Menschen war unvorstellbar groß: Man beobachtete sich voller Argwohn, manche nahmen sich das Leben oder wurden wahnsinnig. Eltern verließen ihre kranken Kinder und Kinder ihre Eltern. Viele starben einsam. Durch die leeren Strassen schoben Totengräber ihre Karre voller Leichen (Pestkarren) und sammelten die vor die Tür geworfenen Toten mit Zangen auf. Sie kündigten sich durch Glöckchenklingeln an und verschwanden mit ihrer grausigen Fracht vor den Toren der Stadt, wo sie riesige Massengräber ausgehoben hatten. Die große Pestwelle 1635/36 trug schließlich mit zur wachsenden Verhandlungsbereitschaft der kriegführenden Mächte bei. Bis zum Friedensschluß mussten allerdings noch viele Jahre vergehen. AF/MW

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