Kriegsverlauf

Am 26. August 1619 wurde Friedrichs V. von der Pfalz von den PROTESTANTISCHEN STÄNDEN in Böhmen zum neuen Kaiser gewählt. Nur zwei Tage später wählten die KURFÜRSTEN Ferdinand II. (der gerade als böhmischer König abgesetzt worden war) zum neuen Kaiser. Somit war aus dem Prager Aufstand gegen den böhmischen König Ferdinand II. ein Aufstand gegen den römisch-deutschen Kaiser geworden! Und da der König von Böhmen auch gleichzeitig einer der sieben Kurfürsten des Reiches war, Friedrich V. also nun zwei Kurfürstenhüte (den pfälzischen und den böhmischen) besaß, verschob sich das katholisch-protestantische Verhältnis in der Versammlung der Kurfürsten (KURKOLLEG). Für Kaiser Ferdinand II. war darum ein Eingreifen unumgänglich, und auch die Kurfürsten empfanden die doppelte Machtanhäufung Friedrichs V. als unannehmbar. Das protestantische Sicherheitsbündnis der UNION gewährte dem böhmischen König nicht die erforderliche Unterstützung. Ferdinand II. dagegen konnte auf die Hilfe der LIGA unter Führung seines finanzstarken Vetters Maximilian von Bayern zählen: Am 8. November 1620 schlug das katholische Ligaheer in nur zwei Stunden die Truppen Friedrichs V. in der Schlacht am Weißen Berg bei Prag vernichtend. Die Herrschaft Friedrichs V. brach augenblicklich zusammen. In den folgenden Monaten wurden ständische und KONFESSIONELLE Freiheiten in Böhmen abgeschafft, der Katholizismus verbindlich gemacht und der aufständische Adel durch einen katholischen, habsburgtreuen Neuadel ersetzt. Nun hätte der Krieg eigentlich zu Ende sein können. Doch das Zusammenspiel mehrerer Entwicklungen ließ ihn fortdauern: Zum einen beobachteten die protestantischen Kurfürsten mit Unruhe das teilweise gewaltsame Durchsetzen des Katholizismus in Böhmen durch den Kaiser. Zum anderen eroberten der spanische Feldherr Ambrogio Spinola und der kaiserliche Heerführer Johann Tsaerclaes Tilly mit den Truppen der LIGA die Pfalz - Friedrich V. war in die nördlichen Niederlande geflüchtet. Für Spanien war der Besitz der linksrheinischen Pfalz von großer strategischer Bedeutung. Denn sie festigte den Korridor (die sogenannte „spanische Strasse“), der die Besitzungen der spanischen HABSBURGER in Italien mit ihren niederländischen Territorien und der Nordsee verband. Diesen Machtzuwachs des spanischen Königs sahen die protestantischen REICHSFÜRSTEN und auch Frankreich als Bedrohung an. Zum dritten wurde die Pfälzer Kurwürde Maximilian I. von Bayern als Ausgleich für seine Unterstützung bei der Schlacht am Weißen Berg übertragen, wodurch sich das Verhältnis im Kurkolleg weiter zum Nachteil der Protestanten veränderte. Zum vierten kämpften die beiden protestantischen Söldnerführer Ernst von Mansfeld und Christian von Braunschweig weitgehend auf eigene Faust und Rechnung gegen den Kaiser weiter. Tilly schliesslich hatte die rheinabwärts gezogenen protestantischen Truppen der Friedrich-Partei verfolgt und trug so den Krieg nach Westfalen und Norddeutschland. In der Schlacht bei Stadtlohn 1623 konnte er Christian von Braunschweig vernichtend schlagen, wodurch er die fast unangefochtene Stellung des Kaisers im Reich noch ausbaute. Diese erste Phase des Dreissgjährigen Krieges, die von 1618 bis 1623 dauerte, wird als der böhmisch-pfälzische Krieg bezeichnet. Die Benennung der einzelnen Kriegsphasen folgt übrigens der Praxis, sie nach den Ländern der jeweiligen Gegnern des Kaisers zu betiteln. Die zweite Phase von 1625 bis 1629, der sogenannte dänisch-niedersächsische Krieg, beginnt mit dem Kriegseintritt König Christians IV. von Dänemark. Dieser hatte schon länger Pläne zum Ausbau der dänischen Macht in Norddeutschland, die eine bessere Position im Kampf mit Schweden um die Vorherrschaft im Ostseeraum versprachen. Nicht als dänischer König, sondern in seiner Eigenschaft als Herzog von Holstein stellte er eine beachtliche Streitmacht auf und zog 1625 als selbsternannter Anführer der protestantischen Sache und der ständischen Freiheit gegen den Kaiser. Doch er hatte dessen militärisches Potential unterschätzt. Trotz finanzieller Unterstützung durch England und die Niederlande scheiterten Christians militärische Aktionen. Schon im August 1626 wurde er von Tilly bei Lutter am Barenberg entscheidend geschlagen. In der Folge dieser Niederlage eroberten Tilly und vor allem Wallenstein Mecklenburg, Pommern sowie das dänische Jütland. Nur vier Jahre nach Kriegseintritt musste sich 1629 Christian IV. im Lübecker Frieden geschlagen geben. Mit dem Ende des dänisch-niedersächsischen Krieges hätte nun auch der Dreissigjährige Krieg beendet sein können. Aber wieder waren es mehrere Gründe, die ihn weiter in Gang hielten: Die Absetzung der Herzöge von Mecklenburg und die BELEHNUNG Wallensteins mit den Ostseeherzogtümern durch den Kaiser verschärften die Situation im Reich. Denn die traditionsbewussten Reichsfürsten jeder Konfession beobachteten äußerst argwöhnisch den Aufstieg des kaiserlichen Feldherrn. Ferner war die kaiserliche Macht in Norddeutschland durch die Feldzüge Tillys und Wallensteins stark wie seit Jahrhunderten nicht mehr. Es wurden sogar Pläne von Seiten der Spanier und des Kaisers zum Aufbau einer Ostseeflotte bekannt, die die habsburgische Vorherrschaft in Norddeutschland und im Ostseeraum endgültig festigen sollte. Vor allem aber erließ der Kaiser 1629, kurz vor dem Lübecker Frieden und auf dem Höhepunkt seiner Macht, unter Umgehung des REICHSTAGS das sogenannte Restitutionsedikt. Das heißt, er veranlasste eigenmächtig die Rückgabe aller durch die Protestanten seit 1552/55 eingezogenen geistlichen Gebiete und Güter. In neun protestantischen norddeutschen Bistümern musste der katholische Glaube wieder eingeführt werden. Damit brachte der Kaiser nicht nur die protestantischen Reichsstände gegen sich auf, auch die katholischen Stände fühlten sich von seinem selbstherrlichen Handeln in ihrer Freiheit bedroht. Viele sahen in dem Erlass auch einen Schritt auf dem Weg zum kaiserlichen ABSOLUTISMUS. Die Angst war um so größer, da der kaiserliche Feldherr Wallenstein die mächtigste Armee des Reiches befehligte. Deshalb verlangten sie 1630 die Entlassung Wallensteins. Diese Forderung macht die Komplexität der Kriegsgründe deutlich: Waren vor allem die katholischen Reichsstände auch aus Glaubensgründen in den Krieg getreten, so fürchteten sie jetzt - nachdem der Protestantismus besiegt schien - die Ausweitung der kaiserlichen Macht. Die politischen Aspekte traten also vehement vor die konfesionellen. Im Sommer 1630 trat der Dreissigjährige Krieg in seine dritte Phase, den schwedischen Krieg (bis 1635), und bekam eine seiner wichtigsten Wendungen. König Gustav II. Adolf von Schweden landete im Juli in Peenemünde an der pommerschen Küste. Da er nicht wie Christian IV. von Dänemark Reichsfürst war, hörte der Krieg auf, ein „deutscher“ zu sein. Sein Eingreifen begründete Gustav II. Adolf, indem er sich als Verteidiger der protestantischen Religion und der ständischen Freiheit präsentierte. Doch auch die Furcht vor der starken Stellung des Kaisers im Ostseeraum, der Wunsch, Schweden im Kreis der europäischen Großmächte zu etablieren, und die handelspolitischen Interessen Schwedens im Ostseeraum werden eine große Rolle gespielt haben. Die Schweden trafen zumindest in den ersten zwei Jahren auf wenig Widerstand. Dies lag sowohl an der vorübergehenden Entlassung Wallensteins (der erst im Dezember 1631 wieder eingesetzt wurde), als auch daran, dass die kaiserlichen Truppen vorübergehend in Oberitalien benötigt wurden. Die protestantischen Reichsstände begegneten dem Eingreifen Gustav II. Adolfs in Deutschland zunächst mit Zurückhaltung. Doch 1631 schlossen sich ihm, wenn auch nihct ganz freiwillig, die Kurfürsten von Brandenburg und von Sachsen an - wieder einmal war das Motiv eine Kombination aus konfessioneller Frömmigkeit und politischem Machtbewusstsein. Kurz nach diesem Bündnis unterlag die kaiserliche Armee unter Tilly gegen Gustav II. Adolf in der Schlacht von Breitenfeld (mit über 70.000 „Teilnehmern“ die größte des Krieges) und musste ganz Norddeutschland räumen. Die Schweden zogen dagegen im Triumphzug durch Mittel- und Süddeutschland. Doch mit dem Tod Gustav II. Adolfs in der Schlacht bei Lützen 1632 verloren die Protestanten ihre Galionsfigur. Vor allem aber wurde der Vormarsch der protestantisch-schwedischen Truppen durch die vernichtende Niederlage durch die vereinigten kaiserlichen und spanischen Truppen bei Nördlingen 1634 gestoppt. Der nun wieder erstarkte Kaiser konnte 1635 mit dem protestantischen Sachsen durch das Versprechen, das Restitutionsedikt 40 Jahre lang nicht durchzuführen, den Prager Frieden schließen, dem sich fast alle Reichsstände anschlossen. Wieder - bereits zum dritten Mal - hätte Frieden ins Reich einkehren können. Doch jetzt griff Frankreich offen in den Krieg ein. Bislang hatte es lediglich im Hintergrund agiert und die Gegner der Habsburger - die nördlichen Niederlande, Dänemark und Schweden - mit Geld unterstützt. Im Mai 1635 erklärte Frankreich dem spanischen König den Krieg - und damit, wenn auch bis 1636 vorläufig nur indirekt, dem Kaiser. Das Ziel war, die übermächtige Position des Kaisers nach der Schlacht von Närdlingen und dem Prager Frieden zu schwächen, sich aus der geografischen Einkreisung durch die spanischen und österreichischen Habsburger zu lösen und die eigene Macht zu vergrößern. Mit dieser vierten Phase, dem schwedisch-französische Krieg (1635-1648), hörte der Dreissigjährige Krieg endgültig auf, eine Auseinandersetzung zwischen verfeindeten Religionsparteien zu sein. Denn das katholische Frankreich, das im eigenen Land die Protestanten brutal verfolgte, kämpfte nun im Bündnis mit den protestantischen Schweden und Niederländern gegen den katholischen Kaiser und das katholische Spanien. Der Krieg wurde zum Kampf um die politische Vorrangstellung in Europa, ausgetragen auf deutschem Boden. Nach der Niederlage des sächsisch-kaiserlichen Heeres gegen die Schweden bei Wittstock im Oktober 1636 und Bayerns gegen die Franzosen in Breisach im Dezember 1638 wurde zunehmend deutlicher, dass der Kaiser nicht mehr in der Lage war, seine Bundesgenossen aus dem Prager Frieden zu schützen. So forderten die Reichsstände Friedensverhandlungen. Auf deren Aufnahme in Münster und Osnabrück einigten sich die Kriegsparteien schließlich Weihnachten 1641 im sogenannten Hamburger Präliminarvertrag. Eine Waffenruhe war darin jedoch nicht vorgesehen. Der Krieg ging also weiter. Im März 1645 wurden die Truppen Kaiser Ferdinands III., der 1637 seinem Vater nachgefolgt war, in der schlacht bei Jankau von den Schweden besiegt. Nun war der Kaiser zu äußerst weitreichenden Zugeständnissen an seine Gegner bereit, und die Friedensverhandlungen kamen richtig in Gang. Trotzdem hörte das Morden bis zur Unterezeichnung des Westfälischen Friedensvertrags am 24. Oktober 1648 nicht auf. Noch im Juli 1648 eroberten die Schweden einen Teil Prags, die sogenannte Kleinseite, und die Prager Bürger mussten die Belagerung durch die Schweden bis zm Friedensschluss drei Monate später durchhalten. AF/JK

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