Abenteurer und Berufskrieger - die Heerführer

Die Liste der Feldherrn, die während der dreißig Kriegsjahre eine größere oder kleinere Rolle spielten, ist angesichts der vielen verschiedenen Parteien und der Dauer des Krieges unendlich lang. Einige herausragende Persönlichkeiten sollen hier jedich kurz vorgestellt werden. AF Johann Tserclaes Graf von Tilly
war 1559 in Brabant geboren worden und kämpfte schon seit 1593 für die HABSBURGER: während des Aufstandes der Niederlande und in den Türkenkriegen. Nachdem er 1610 das bayerische Heer neu orgnaisiert hatte, wurde er 1620 zum Oberkommandierenden des katholischen LIGA-Heeres befördert, mit dem er bereits in der ersten Schlacht des Dreißigjährigen Krieges, der Schlacht am Weißen Berg einen triumphalen Sieg errang. Sechs Jahre später brachte er Christian IV. von Dänemark bei Lutter am Barenberge die entscheidende Niederlage bei, in deren Folge er zusammen mit Wallenstein ganz Nordddeutschland einnehmen konnte. Nachdem Wallenstein 1630 vom Kaiser abgesetzt worden war, ehielt er Titel und Amt des Oberbefehlshabers. 1631 eroberte er mit seinen Truppen Magdeburg. Er galt als strenger Feldherr und achtete sehr auf Disziplin. Eigenmächtige Plünderungen und andere Ausschreitungen seiner Soldaten bestrafte er häufig mit dem Tode. Als er im April 1632 vergeblich versuchte, bei Rain die Schweden am Übergang des Flusses Lech zu hindern, wurde er schwer verletzt. An seinen Verwundungen starb er am 30. April 1632 im stolzen Alter von 73 Jahren in Ingolstatdt.
Ambrogio Spinola
Der italienische General wurde 1569 in Genua geboren. Er war sehr vermögend und stand seit 1602 in den Diensten der spanischen HABSBURGER, für die er sehr erfolgreich gegen die aufständischen nördlichen Niederlande kämpfte. Zu seinen großen Erfolgen in dieser Zeit gehörten 1604 die Eroberung von Ostende, das seit 1601 belagert worden war, und die große Offensive in das nordniederländische Friesland. Auch viele seiner militärischen Aktionen am Rhein in der ersten Phase des Dreißigjährigen Krieges, zum Beispiel die Belagerung von Jülich 1622, gingen zu seinen Gunsten aus. Gegen die Skepsis des spanischen Staatsrates und seiner eigenen Generäle setzte er die Belagerung der taktisch bedeutenden Stadt Breda durch, die sich ihm 1625 nach über neuen Monaten ergab. Trotz seiner Erfolge wurde er von dem wichtigen Kriegsschauplatz Niederlande nach Italien als Kommandant der spanischen Armee geschickt. Verbittert darüber, dass über Jahre der leitende spanische Minister seine zahlreichen Friedensbemühungen nicht aufgriff und verfolgte, starb er 1630 in Castelnuovo Scrivia.
Albrecht von Wallenstein
gehört zu den umstrittensten Persönlichkeiten der Geschichte: Einige sehen in ihm den Idealisten, andere verurteilen sein Handeln als das eines Machtmenschen mit maßlosen, rein persönlichen Zielen. Wallenstein wurde 1583 in Hermanitz geboren. Seit 1604 stand er in kaiserlichen Diensten. Um 1607 wechselte er vom protestantischen zum katholischen Glauben über und erwarb nach der Schlacht am Weißen Berg über 50 Güter vertriebener böhmischer Ausständischer. Er wurde 1624 zum Reichsfürst erhoben und stellte dem Kaiser im folgenden Jahr ein aus eigener Tasche finanziertes Söldnerherr zur Verfügung. Schließlich erhielt er den Oberfbefehl über alle kaiserlichen Truppen im Reich. Die Eroberung Norddeutschlands mit Tilly brachte ihm so viele Ehrungen und Rechte durch den Kaiser, dass dieser Wallenstein auf Druck der Reichsfürsten entlassen mußte. Obgleich er 1631/32 den Oberbefehl mit noch ausgedehnteren Vollmachten zurückhielt und die Schweden aus Süddeutschland vertrieb, wurde seine Kriegsführung und sein persönliches Verhalten immer undurchsichtiger. Seine eigenmächtigen, geheimen Verhandlungen mit Schweden hatten seine Absetzung und Verurteilung durch den mißtrauisch gewordenen Kaiser zur Folge. 1634 wurde er von kaisertreuen Offizieren in Eger ermordet. Reichtun und Aufsteig Wallensteins, seine militärische und persönliche Stärke, sein Sternglaube, aber auch seine dunklen Seiten inspirierten berühmte Dichter wie Friedrich Schiller oder Golo Mann zu ihren Werken.
"Der tolle Christian"
Christian von Braunschweig war der Buder des Feldherrn des böhmischen Königs Friedrich V. von der Pfalz. 1599 in Gröningen geboren, kämpfte er anfangs in den Diensten der nördlichen Niederlande. Sein Spitzname "der tolle Christian" läßt sich nicht auf das Wort "toll" als Ausdruck der Begeisterung zurückführen, sondern ist eher im negativen Sinne von "tollwütig" zu verstehen: Nach der verlorenen Schlacht am Weißen Berg führten er und andere den Krieg Friedrichs V. von der Pfalz weiter. Grausam plündernd und rücksichtslos brandschatzend zog er durch Westfalen. Er schreckte auch nicht davor zurück, in Paderborn den alten, wertvollen und von den Katholiken veehrten Reliquienschrein des heiligen Liborius nebst anderen Schätzen einzuschmelzen. Nach den verlorenen Schlachten bei Höchst und schließlich bei Stadtlohn kehrte Christian in die Niederlande zurück und starb bereits 1626 mit nur 27 Jahren.
Madame de Saint-Baslemont
zählt nicht im eigentlichen Sinne zu der Gruppe der Feldherrn - schon weil ihr als Frau ein solche Rolle damals gar nicht zukam. Und ihr war kein offizielles Kommando übertragen worden. Doch sie steht als Beispiel für ungewöhnlichen und mutigen Einsatz, den auch Frauen im Dreißigjährigen Krieg bewiesen. Ihr Mann hatte sich im August 1635 der kaiserlichen Armee angeschlossen. Gut ein Jahr später, im Herbst 1636, kam es in Lothringen durch Soldaten, die nach der französischen Niederlage bei Mainz entlassen worden waren, zu Plünderungen. Um ihnen nicht schutzlos ausgeliefert zu sein, ergriff Madame de Saint-Baslemont die Initiative und versammelte die Bevölkerung um sich. Mit dieser Truppe befestigte sie die Güter und verteidigte sie erfolgreich gegen die Übergriffe.

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