Friedensfeiern

Kaum waren die Friedensverträge unterzeichnet, wurde der „freudenreiche Friedensreiter“ losgeschickt, um die gute Nachricht überall bekannt zu machen. Allerorts läutete man die frohe Botschaft vom Frieden mit Glockenschlägen ein. Das langersehnte Kriegsende feierten die Menschen zwischen Mai 1648 und August 1660 in ganz Europa und sogar in den Kolonien Amerikas und Asiens. Die Festivitäten reichten von den offiziellen Verkündigungen über Dankgottesdienste, feierliche Begrüßungen der aus Westfalen zurückgekehrten Gesandten, Bankette, Theater- und Ballettaufführungen und Feuerwerke bis zu Friedensumzügen. Dabei war bei den Festlichkeiten die öffentliche Verkündigung des Friedens besonders wichtig. Denn ähnlich wie auch heute völkerrechtliche Verträge erst wirksam sind, wenn sie im Bundesgesetzblatt bekannt gemacht wurden, musste im 17. Jahrhundert der Vertragstext der Öffentlichkeit verlesen werden. Das war um so mehr von Bedeutung, da ein Teil der Bevölkerung die gedruckten und verteilten Verträge gar nicht lesen konnte. Die ersten, die Anlass hatten, den Frieden freudig zu begrüßen, waren die Niederländer – sie waren ja nun offiziell als eigenständiger Staat anerkannt. Am 5. Juni 1648 wurde der spanisch-niederländische Friede jedoch zuerst von den Gesandten und Münsters Bevölkerung begannen. Nachdem auch die Herrscher den Vertrag unterschrieben hatten, feierten sie mit Glockgeläut, Kanonensalut, Feuerwerken und freiem Weinausschank. Es war eine Art „Generalprobe“, denn man sah in ihm den Vorboten eines baldigen allgemeinen Gesamtfriedens. Am 25. Oktober 1648 konnte man in Münster und Osnabrück dann endlich den tags zuvor geschlossenen Frieden feiern. Bei dem PROTESTANTISCHEN Dankesgottesdienst – so kann man im Tagbeuch eines Gesandten lesen – weinten viele aus Freude und Dankbarkeit. Münster beging diesen Anlass nochmals „mit Pauken und Trompeten“ in einem großen feierlichen Rahmen am 21. Februar 1649. Nachdem der Westfälische Frieden geschlossen war, kamen die Gesandten der kriegführenden Parteien in Nürnberg zum sogenannten Exekutionstag zusammen, um offengebliebene Fragen zu klären, vor allem den Abzug der schwedischen Truppen aus dem Reich. Zwei Friedensfeiern erregten Aufsehen: Die erste veranstaltete der schwedische Gesandte Karl Gustav von Zweibrücken am 25. September 1649. Für die Gesandten wurde im Nürnberger Rathaus ein Friedensmahl mit üppig gedecktem Tisch und musikalischen Darbietungen bereitet. Für die Bevölkerung, die auf dem Platz vor dem Rathaus ein Volksfest feierte, floß reichlich roter und weißer Wein, der in hohem Bogen aus dem Rachen eines hölzernen Löwen im Fenster des Rathaussaales strömte und von den Menschen unter großem Jubel in Behältern und Hüten aufgefangen wurde. Der kaiserliche Gesandte Ottavio Piccolomini gab im Juli 1650 das zweite Friedensfest, dessen Bankett, Friedensschauspiel und abschließendes Feuerwerk von vielen Literaten und Künstlern begleitet wurde. Um die Freude über den Westfälischen Frieden auch nach den Festlichkeiten lebendig zu erhalten, prägte man zahlreiche Friedensmünzen. Die Gesandten, der Friedensschluss und allegorische Darstellungen des Friedens wurden in Stichen verbreitet. AF

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