Wie lange hält ein Friede?

Der Westfälsche Friede löste nicht alle Streitfälle unter den europäischen Mächten, so dass es nach 1648 weiterhin Kriege gab. Neu war, dass die einzelnen Staaten sich im Westfälischen Frieden eine Grundlage geschaffen hatten, wie sie zukünftig ihre Beziehungen und auch ihre Konflikte regeln konnten. So haben denn auch spätere Friedensschlüsse immer wieder auf den Westfälischen Frieden zurückgegriffen. Die Friedensverhandlungen in Münster beendeten noch nicht den Krieg zwischen Frankreich und Spanien. Es dauerte noch elf Kriegsjahre, bis beide Mächte 1659 den Pyrenäenfrieden schlossen. Ebenfalls ungelöst waren die schon vor dem Dreissigjährigen Krieg aufgebrochenen Gebietsstreitigkeiten zwischen Schweden und Polen, die 1657-60 zu einem neuen Krieg führten. Auch die türkischen Eroberungskriege im Balkan setzten sich fort, bis nach der vergeblichen Belagerung Wiens 1683 die österreichische Gegenoffensive begann. Und unter dem französischen König Ludwig XIV. wurde Europa durch eine Reihe von Kriegen heimgesucht, die für Frankreich zwar Gebietsgewinne brachten, das Land aber beim Tod des Königs 1715 an den Rand des Ruins geführt hatten. Krieg war ein allgemein anerkanntes Mittel der Politik, aber seit dem Westfälischen Frieden hatte man diplomatische Mittel zur Hand, diesen wieder zu beenden. Zum Bild des Herrschers gehörte in dieser Zeit die Vorstellung vom siegreichen Kriegsherrn, der seine Feinde überwindet und so seinen Ruhm und seine Macht vermehrt. Aber wieviel Leid, Not und Sterben sind notwendig, um dem Krieg Einhalt zu gebieten? Der Westfälische Friede hat gezeigt, dass sich jeder Krieg beenden lässt, auch wenn er noch so langwierig und verwickelt erscheint. Die nachfolgenden Kriege habe deutlich gemacht, dass jede militärische Auseinandersetzung eine neue provoziert und der Friede immer wieder neu gesichert werden muss. Das gilt bis heute! Mit dem Westfälischen Frieden enden in Europa die Religionskriege und werden durch politische oder wirtschaftliche Kriege ersetzt. Doch wie anders als religiös bestimmt soll man zum Beispiel die anhaltenden Auseinandersetzungen zwischen Katholiken und PROTESTANTEN in Nordirland bezeichnen? Und wie brüchig ist unsere europäische Friedensordnung bis heute geblieben, wenn im ehemaligen Jugoslawien alte nationale und religiöse Spannungen aufbrechen und nur mit Mühe eingedämmt werden können? Noch immer ist die Bereitschaft, Gewalt anzuwenden, Teil unserer Welt. Ablehnendes oder aggressives Verhalten gegenüber dem Fremden und Unbekannten findet sich in allen Völkern. Wie Feindbilder entstehen und wie man Menschen durch Propaganda zu gewalttätigen Handlungen verführen kann, hat nicht zuletzt auch wieder die Geschichte unseres Jahrhunderts gezeigt. Einen „allgemeinen und immerwährenden Frieden“, wie ihn der Vertragstext von 1648 beschwor, gab es weder damals, noch wird es wohl künftig einen Weltfrieden gegebn. KK

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