Geleitwort

Am 24. Oktober 1998 feiern wir den 350. Jahrestag des Abschlusses des Westfälischen Friedens von Münster und Osnabrück. Suchen wir in der Geschichte Europas nach Ereignissen, die wirklich von zentraler Bedeutung sind, also den ganzen Kontinent betreffen und großen Einfluß auf die Gestalt unseres heutigen Europas gehabt haben, stoßen wir unweigerlich auf den Westfälischen Friedenskongreß. Nach zweieinhalb Jahrzehnten mit Elend, Not und Tod versammelten sich im Jahre 1644 in Münster und Osnabrück Diplomaten des ganzen Kontinents, um endlich einen friedlichen Ausweg aus dem Dreißigjährigen Krieg zu finden. Den vielen Delegierten gelang es schließlich im Jahre 1648, einen Kompromiß auszuhandeln, der dem Kontinent eine neue Friedensordnung und dem Reich eine neue, föderal geprägte Reichsverfassung brachte, die immerhin 150 Jahre lang stabil blieb.

Die beiden Weltkriege und der Kalte Krieg sind nun schon lange vorüber, aber wie wir wissen, gibt es überall auf der Welt - selbst in den südöstlichen Gebieten Europas - immer noch zahllose kriegerische Auseinandersetzungen. Der Friede ist ein so kompliziertes und zerbrechliches Gut, daß wir alle immer wieder aufs neue mit viel Geduld, Kraft und gutem Willen daran arbeiten müssen, ihn zu schaffen bzw. ihn zu erhalten. So betrifft das Jubiläumsthema gerade auch die junge Generation. Denn sie ist es, die in den kommenden Jahrzehnten an den verschiedensten Stellen unserer Gesellschaft dafür verantwortlich sein wird, wie tolerant, respektvoll und human das Miteiander von Staaten und Menschen vonstatten gehen wird.

In diesem Sinne hat sich die Veranstaltungsgesellschaft 350 Jahre Westfälischer Friede mbH entschlossen, der großen Europaratsausstellung "1648 - Krieg und Frieden in Europa" eine gesonderte Veranstaltung voranzustellen, die das Jubiläumsthema speziell jungen Menschen vermitteln will. Durch die Ausstellung "vivat pax" wie auch durch das gleichnamige Jugendsachbuch sollen Kinder und Jugendliche auf lebendige und lehrreiche Weise an die Schrecken und Leistungen des 17. Jahrhunderts herangeführt werden. Ich wünsche beiden Projekten die verdiente Resonanz.

Dr. Manfred Scholle
Direktor des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe
und Vorsitzender des Aufsichtsrates der Veranstaltungsgesellschaft
350 Jahre Westfälischer Friede mbH

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