Der Kurzführer, der zur Begleitung durch die Europaratsausstellung erschienen ist, soll die Besucher in das Thema einführen und ihnen eine erste Orientierung über die gesamte Ausstellung und die Verteilung der Themen auf die einzelnen Ausstellungsorte ermöglichen. Dazu dienen die Grundrisse der beteiligten Museen; die in den Räumen eingetragenen Ziffern entsprechen der Numerierung der Ausstellungsräume und verweisen gleichzeitig auf die Texte des Kurzführers zu den einzelnen Sälen. Eine ausführliche Version ist mit dem Ausstellungskatalog online vorhanden.

Abkürzungen: EG = Erdgeschoß, MS = Münster, OG = Obergeschoß, OS = Osnabrück,
R = Raum, S = Sektion
Raumplan
Westfälisches Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte Münster, Altbau, Erdgeschoß



Westfälisches Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte Münster, Raumplan Altbau, Erdgeschoß
MS R 1-10 I. DIE KRISE IN EUROPA UM 1600 (MS, Landesmuseum, Altbau, EG)

Der Prager Fenstersturz 1618 ist Symptom der Krise um 1600 und gilt als der Beginn des Dreißigjährigen Krieges. Die im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation schwelenden Konflikte zwischen Kaiser, Fürsten und Ständen hatten sich mit den konfessionellen Gegensätzen zwischen Katholiken, Prostestanten und Calvinisten teilweise überlagert. Mit der Konfessionsfrage stellt sich unerbitterlich die Machtfrage - und dies nicht nur in Böhmen, sondern auch in Frankreich und den Niederlanden, in England, Polen und Schweden. Sie verschränkte sich mit dynastischen und zwischenstaatlichen Rivalitäten wie zwischen den Habsburgern und den Bourbonen, zwischen Dänemark und Schweden, zwischen Schweden und Polen usw. sowie mit wirtschaftlicher Konkurrenz, etwa im Überseehandel.

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MS R 1 Wille zur Konfrontation - Mahnung zum Frieden

Am Vorabend des Dreißigjährigen Krieges drängte in Europa eine Vielzahl von Konflikten, die sich gegenseitig überlagerten, einer Entscheidung zu: Konfessioneller Streit verschärfte die politischen Auseinandersetzungen zwischen Monarchen und Ständen, der spanisch-niederländische Krieg drohte erneut aufzuflammen. Flugblätter drückten die Krisenstimmung und die Ängste der Menschen aus. Die politische Krise brachte aber auch Friedensappelle und Lösungsmodelle hervor: die gegenseitige Toleranz der Konfessionen; die kaiserliche Universalherrschaft als Durchsetzung des Rechtes unter Beachtung der Rechte der Fürsten Europas; Beilegung der Konflikte zwischen Konfessionen und Staaten zur Bekämpfung der muslimischen Türken. Der souveräne Fürst sollte die verfeindeten Konfessionsparteien zum Frieden zwingen - so Jean Bodin (1576).

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MS R 2 Die Niederlande unter spanischer Herrschaft

Die stark föderalistisch organisierten 17 Provinzen der Niederlande waren im späten Mittelalter an die Habsburger gelangt und unterstanden seit 1556 Philipp II. von Spanien, dem Sohn Kaiser Karls V. Philipp versuchte, die überkommenen ständischen Rechte zu beschneiden, und betrieb eine dezidiert katholische Religionspolitik. Die niederländischen Stände hingegen trachteten nach einer Ausweitung ihrer weitgehenden Mitspracherechte und nach konfessioneller Freiheit. Es kam zur Konfrontation. Gegen das gewaltsame Vorgehen des spanischen Herzogs von Alba kam es schrittweise zum Aufstand, der im Laufe der 1570er Jahre zur Spaltung der Niederlande führte: in einen nördlichen, ständisch regierten, formell calvinistischen, tatsächlich aber multikonfessionell-toleranten Teil und einen südlichen Verband, der gegen Sicherung der ständischen Rechte zum katholischen Glauben und zum Gehorsam gegenüber dem spanischen König zurückkehrte.

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MS R 3 Der Achtzigjährige Krieg. Kampf um die Unabhängigkeit

Sowohl die nördlichen Provinzen als auch Spanien erstrebten eine Wiedervereinigung der gesamten Niederlande - allerdings unter jeweils den eigenen politischen und konfessionellen Bedingungen. Zur Durchsetzung dieses Ziels führten beide Seiten mit wechselndem Erfolg gegeneinander Krieg. 1581 sagten sich die nördlichen Niederlande offiziell vom spanischen König los und gründeten die Republik der Vereinigten Niederlande, erster Generalstatthalter wurde Prinz Wilhelm I. von Oranien. Die Ermüdung durch die vielen Kriegsjahre und die militärische Patt-Situation verstärkten schließlich bei beiden Parteien den Wunsch nach Beendigung des Krieges. Aus Scheu der spanischen Krone vor der endgültigen rechtlichen Anerkennung der faktisch selbständigen Republik kam es 1609 allerdings noch nicht zu einem Friedensschluß, sondern lediglich zu einem auf zwölf Jahre befristeten Waffenstillstand.

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MS R 4 Der Waffenstillstand 1609

Der Waffenstillstand gewährte vor allem aber dem Norden die notwendige Ruhe, den Handel wieder aufzunehmen und ihn weiter auszubauen. Waren anfangs die südlichen Niederlande mit ihrer Handelsmetropole Antwerpen kommerziell und kulturell überlegen, gewann im Laufe des Unabhängigkeitskampfes die Republik politisch, wirtschaftlich und kulturell immer mehr an Bedeutung. Sie kam in den Besitz überseeischer Kolonien, die religiöse Toleranz zog den Handel und die Wissenschaften aus ganz Europa an. Mit Ausbruch des Dreißigjährigen Krieges, der Spanien als Verbündeten des katholischen Kaisers sah, und dem politischen Führungswechsel in Madrid zeichnete sich ab, daß der Waffenstillstand nicht verlängert werden würde. Die militärischen Auseinandersetzungen dauerten bis 1648 an, als im Westfälischen Frieden die Vereinigten Niederlande als selbständige Republik anerkannt wurden.

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MS R 5 Habsburg-Frankreich. Der Kampf um die Vorherrschaft in Europa

Die französischen Könige und die Habsburger kämpften schon seit dem ausgehendenn 15. Jahrhundert um die Vorherrschfat in Europa. Seit dem Regierungsantritt des Habsburgers Karl V. fühlte sich Frankreich darüber hinaus durch das Zusammengehen der spanischen und der österreichischen Macht im Reich eingekreist. An der Grenze zwischen den spanischen und französischen Einflußbereichen befanden sich einige kleinere und mittelgroße Territorien, unter denen das Herzogtum Savoyen das bedeutendste war. Innenpolitisch erschütterten Frankreich in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts schwere Auseinandersetzungen zwischen Katholiken und Hugenotten. Diese Schwächephase endete erst 1627/28 mit der Eroberung der wichtigsten Hugenottenfestung La Rochelle. Frankreich war nun in der Lage, seine verdeckte Unterstützung der Gegner Habsburgs auszuweiten; 1635 griff es offen in den Krieg ein.

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MS R 6 Dänemark - Schweden - Polen. Konflikte im Ostseeraum

Neben den westeuropäischen Raum trat als weiteres Konfliktgebiet der Ostseeraum. Hier kämpften in wechselnden Phasen Schweden, Dänemark, Polen und das Moskauer Zarenreich um Einflußzonen und Hegemonie, wobei neben dem Streben nach politisch-strategischem Übergewicht immer auch Handelsinteressen eine Rolle spielten. Nach seinem Sieg über Schweden im Kalmarkrieg (1611-1613) wurde Dänemark zeitweise zur vorherrschende Macht; hier legte es die Basis für sein späteres Eingreifen in den Dreißigjährigen Krieg. Der Konflikt zwischen Schweden und Polen, der sich seit dem Ende des 16. Jahrhunderts durch dynastische und konfessionelle Gegensätze verschärft hatte, beendete 1692 ein Waffenstillstand, der Gustav II.Adolf von Schweden das Eintreten in den Krieg auf deutschem Boden ermöglichte. Dies war die Voraussetzung dafür, daß Schweden zur europäischen Großmacht aufsteigen konnte und seinen alten Rivalen Dänemark weit überflügeln konnte.

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MS R 7 Wirtschaft zwischen Krieg und Frieden

Die wirtschaftlichen Interessen trugen deutlich zur Verschärfung der Konflikte in Übersee zwischen Spaniern, Portugiesen und Niederländern sowie im Ostseeraum zwischen Schweden und Dänemark bei. Die in dieser Zeit zunehmende Verflechtung des kontinentaleuropäischen Handels hing neben anderen Faktoren auch mit den neuen Organisationsformen von Börsen und Banken zusammen, die einen großräumigen Warentausch ermöglichten. Börsenplätze wie Antwerpen, Amsterdam oder Hamburg und die Handelsstädte Frankfurt, Leipzig, Nürnberg und Köln blieben zugleich vom Krieg weitgehend verschont und wurden teilweise zu Schauplätzen diplomatischer Verhandlungen.

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MS R 8 Die Aufrüstung

Spezialisierte Manufakturen produzierten z.B. in Solingen Hieb- und Stichwaffen; die Gewehrproduktion in Thüringen (Suhl und Zella-Mehlis) erlebte eine Blütezeit, bis die Schweden 1634 die Manufakturen zerstörten. Niederländische Unternehmer bauten die schwedische Waffenindustrie auf, so die Amsterdamer Kaufmannsfamilie Trip und - mit ihnen verschwägert - die de Geer, die sogar eine eigene Flotte aufstellen konnten. Auch Paris, Danzig, Kopenhagen, die niederländischen Städte Groningen und Maastricht sowie die Bischofsstadt Lüttich waren Zentren der Waffenproduktion. Den hohen Standard der Produktion machen Prunkwaffen aus Ferlach (Österreich) und Oberitalien deutlich.

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MS R 9 Bilder als Waffe

Im 17. Jahrhundert sorgten illustrierte Flugblätter für die schnelle Verbreitung von Neuigkeiten. Sie wurden selbstverständlich auch als Medien politischer Propaganda genutzt - am wirkungsvollsten dann, wenn es gelang, ein Symbol der Gegenpartei ins Negative zu kehren. Die Gegenseite reagierte darauf mit dem Vorwurf der Fehlinformtion und Konflikttreiberei. Daß diese Kritik berechtigt war, zeigen die polemischen Flugblätter der ersten Kriegsjahre. In drastischen Bildern und Worten werfen die beiden Parteien einander vor, den Krieg bewußt und leichtfertig herbeigeführt zu haben. Zielscheibe der Kritik waren allerdings - mit Ausnahme Friedrichs V. von der Pfalz - nie die Herrscher selbst, sondern lediglich ihre "schlechten" Berater

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MS R 10 Literatur und Krisenstimmung

Die konfessionellen Konflikte brachten nicht nur Niedergang und Auflösung, sondern zugleich den Aufschwung der nationalsprachlichen Literaturen in Europa. Man prüfte nun, ob anstelle des bisher veorherrschenden Latein die eigenen Sprachen tauglich seien für höhere Literatur. Speziell calvinistische Dichter versuchten sich zunächst an Psalm-Dichtungen, die sich seit 1550 in fast allen europäischen Sprachen finden. Im Reich war Heidelberg das Zentrum der reformierten Nationalsprachbewegung, wo mit Melissus, Lobwasser, Zincgref und Opitz die wichtigsten deutschsprachigen Dichter der Zeit tätig waren. Die Eroberung der Pfalz Anfang der 1620er Jahre beendete diese Blüte; die Dichter wurden über ganz Europa verstreut. Im schlesischen Exil arbeitete Opitz an dem Projekt einer deutschsprachigen Dichtung weiter, und dort erschien sein Hauptwerk, das "Buch von der Deutschen Poeterey".

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MS R 11 II. DRAMATIS PERSONALE - DIE AKTEURE VON KRIEG UND FRIEDEN (MS, Landesmuseum, Altbau, EG)

Über Krieg und Frieden entschieden vor allem die Herrscher. Im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation agierten die Habsburger Kaiser Ferdinand II. und Ferdinand III. sowie die Reichsfürsten Maximilian I. von Bayern und Friedrich V. von der Pfalz, der von den Aufständischen zum böhmischen König gewählt wurde, in vorderster Front. In Schweden folgte nach dem Tod Gustavs II. Adolf dessen Tochter Christina. Die Politik Frankreichs bstimmten nach Ludwig XIII. und seinem mächtigen Minister, Kardinal Richelieu, die für den noch unmündigen Ludwig XIV. regierende Königinmutter, Anna von Österreich, mit ihrem Minister Kardinal Mazarin. In der Republik der Niederlande übten die Statthalter Moritz und Friedrich Heinrich von Nassau-Oranien maßgebenden politischen Einfluß aus. Nur zwei Monarchen regierten nahezu während der gesamten Kriegsdauer: der Habsburger Philipp IV. von Spanien, unterstützt von seinem Minister Olivares, und Christian IV. von Dänemark. Als Päpste amtierten Urban VIII. und Innozenz X.

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MS R 11 DRAMATIS PERSONALE - DIE AKTEURE VON KRIEG UND FRIEDEN

Der Dreißigjährige Krieg gilt als der erste große eropäische Konflikt. Um eine Vorstellung von den beteiligten Mächten, ihren gekrönten Häuptern und Ministern zu geben, werden diese in einer Art Galerie zusammengestellt. Auch die Vertreter des Papsttums standen in diesem Spannungsfeld. Neben der Vorstellung der Herrscherpersönlichkeiten zeigt die Portraitgalerei auch die historische Enrwicklung des repräsentativen Herrscherbildnisses auf. Durch bedeutende Künstler wie Diego Velàzques, Anthonis van Dyck, Philippe de Champaigne und Gian Lorenzo Bernini gelangte das offfizielle Bildnis in gemalten, oftmals ganzfigurigen Staatsportraits wie auch in Form von Bildnisbüsten im 17. Jahrhundert zu seiner großen Blüte.

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Raumplan
Westfälisches Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte Münster, Altbau,
1. Obergeschoß



Westfälisches Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte Münster, Raumplan Altbau, 1. Obergeschoß
MS R 12-21 III. DER KRIEG - REALITÄT UND BILD
(MS, Landesmuseum, Altbau, EG/1. OG)

Der Ablauf des Krieges, der Alltag der Soldaten und der übrigen von Krieg betroffenen Menschen, Strategie und Taktik, Kriegswirtschaft und Kriegsfinanzierung waren während der dreißig Jahre zeitlich und regional unterschiedlich ausgeprägt. Der Krieg wurde zunehmend verwissenschaftlicht und rationalisiert. Das Leben der Soldaten, aus vielen Völkern geworben, war eine Welt für sich und gehorchte eigenen Regeln. Die Herrführer erwarben oft unermeßliche Reichtümer und dokumentierten ihren sozialen Aufstieg, indem sie sich als Mäzene und Kunstsammler betätigten. Die einfachen Soldaten hingegen konnten ihr Überleben nur notdürftig sichern, wobei dem Troß, der das Heer versorgte, eine entscheidene Rolle zukam. Die grausame Realität der Schlachten und des Krieges wurde in Schlachtendarstellungen und Genrebildern entpersonalisiert und künstlerisch überhöht.

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MS R 12 Die Waffenkammer

Gezeigt werden Infanteriewaffen aus der Rüstkammer der Stadt Emden: Piken, Pikenierharnische und -helme ebenso wie Musketen mit ihrem Zubehör. Ein Fußvolkhaufen von 300 Söldnern umfaßte um 1620 etwa 130 Pikeniere, die die rund 170 Musketiere gegen Reiterangriffe schützen konnten. Die schweren Reiter sollten im Gefecht den Feind in die Flucht schlagen. Sie waren mit dem "Kürisser" vom Kopf bis zu den Knien gepanzert; erst nach 1630 setzte sich eine leichte, auf Helm, Brust- und Rückenpanzer beschränkte Schutzrüstung durch, während der Reiterharnisch oft nur noch Prunkrüstung der Offiziere war. Die Artillerie galt als Handwerk. Für die Festungs- und Belagerungsartillerie stehen eine Hakenbüchse, Mörser und Munition.

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MS R 13 Das Schlachtfeld

Durch Stichvorlagen oder Augenzeugenberichten war es Malern historischer Schlachten möglich, die Kampfhandlung realistisch zu dokumentieren. Courtois erhielt die Infomation für dieses Gemälde von dem an der Schlacht beteiligten Fürsten Matteo de Medici.

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MS R 14 Der Feldherr und seine Soldaten

Militärischer Höhepunkt der ersten Kriegsjahre war die Schlacht am Weißen Berg bei Prag am 8. November 1620, in der der Kaiser und seine Verbündeten über den böhmischen "Winterkönig" Friedrich triumphierten. Herrscher und Feldherren ließen solche Siege in großformatigen Gemälden festhalten. Diese Schlachtendarstellungen schildern die militärische Situation; die Art der Kriegführung wurde bis in zahlreiche Details festgehalten. Da die Künstler zumeist nicht Augenzeugen waren, mußten sie den Verlauf der Schlacht anhand schriftlicher Berichte oder überlieferter Kupferstiche nachvollziehen. Die oft in Galerien gezeigten Schlachtenbilder dem Ruhme der Feldherren und Fürsten.

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MS R 15 Der Krieg ernährt den Krieg

Um den Krieg zu finanzieren, verschlechterten manche Fürsten gleich zu Beginn den Edelmetallgehalt der Münzen. Dies verstärkte die Inflation der "Kipper und Wipper", die erst um 1622/23 ein Ende fand. Danach wurde Geld für die Heeresfinanzierung zunehmend durch Sondersteuern ("Kontributionen") aufgebracht, die eigens ernannte "Kommissare" im Auftrag der Heerführer von Ländern und Städten erhoben. Wallenstein perfektionierte diese Methode im Zuge seiner Philosophie "Der Krieg ernährt den Krieg". Schutzbriefe (Salvaguardien) mußten ebenfalls teuer erkauft werden. Die Schweden schufen in den eroberten Gebieten eine eigene Militärverwaltung, erhoben Zölle und Steuern. Einzelne Heerführer erhielten sogar durch "Donationen" ganze Territorien zur Verwaltung überwiesen, vielfach geistliche Fürstentümer.

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MS R 16 "Ars Militaria". Die Kunst der Kriegführung

Schon im 16. Jahrhundert war die Kriegführung verwissenschaftlicht worden. Zahlreiche Traktate behandelten das Exerzieren, die Ausrüstung, das Verhalten im Gefecht, das Befestigungswesen, die Artillerie und das Vorgehen bei Belagerungen. Für die Gefechtstaktik waren die Neuerungen der "oranischen Heeresreform" maßgeblich. Kleinere, gut gedrillte und schlagkräftige Einheiten zeigten sich auf Dauer den großen, schwerfälligen Haufen der spanischen "Tercios" überlegen. Hinzu kam die Entwicklung einer leistungsfähigen Feldartillerie, vor allem durch die Schweden. Von zunehmender Bedeutung im Verlauf des Krieges war der Besitz von Städten und Festungen, von denen aus sich das Umland kontrollieren und auch finanziell nutzen ließ. Der Belagerungskrieg beherrschte immer mehr das Kriegsgeschehen.

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MS R 17 Feldschlacht und Propaganda

Große Feldschlachten wie Breitenfeld mit 70.000 Kombattanten fanden eher selten statt; wenn irgend möglich vermied man sie, um das "Kapital", die Soldaten, nicht unnötig aufs Spiel zu setzen. So bestand die Feldherrnkunst darin, den Gegner geschickt auszumanövrieren. Eine gewonnene Schlacht veranlaßte den Sieger zu hochfliegender Propaganda: Berichte, Flugblätter, Stiche, aber auch Theaterstücke und Gemälde sollten die eigene Position in der Öffentlichkeit stärken, die des Gegners dagegen diffamieren. Umgekehrt diente die Propaganda der Verlierer der "Schadensbegrenzung", um sich Bündnispartner weiterhin gewogen zu halten.

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MS R 18 Die militärische Gesellschaft

Mit den großen Armeen bildete sich neben der ländlichen, städtischen und höfischen eine weitere dritte Gesellschaftsform aus: die militärische Gesellschaft mit eigener Geistlichkeit, Gerichtsbarkeit und eigenem Verhaltenskodex. Vor allem die Aufstiegschancen über Standesschranken hinweg machten das Militär für viele attraktiv. Nur noch weniges zeugt heute vom täglichen Leben der Soldaten jenseits des Kampfgetümmels. Am ehesten noch sind Szenen aus dem Soldatenleben auf Gemälden zu finden. Viele dieser Bilder zeigen aber deutlich, daß sie von den moralischen Vorurteilen gegenüber den Soldaten geprägt sind.

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MS R 19 Der Einzug des Kardinalinfanten Ferdinand in Antwerpen 1635 (Pompa Introitus Ferdinandi)

Antwerpen ehrte 1635 den neuen Statthalter der südlichen Niederlande, den Kardinalinfanten Ferdinand, mit einem feierlichen Einzug: Peter Paul Rubens entwarf fünf bis zu 22 Meter hohe Triumphbögen, vier Bühnen und einen Portikus für den "Pompa Introitus Ferdinandi", die aus Holz und Pappmaché gefertigt und prächtig bemalt wurden. Doch ging es nicht nur um Gemälde und Statuen der prunkvollen Festdekorationen zum Lob des Fürsten, sondern dem Statthalter sollte vor allem die Friedenssehnsucht der Stadt vor Augen treten. So verdeutlicht ein Großteil des bildlichen Schmuckes die Hoffnungen auf den Sieger von Nördlingen als Friedensbringer und damit als Garanten für eine neue wirtschaftliche Blüte der einstmals florierenden Handelsstadt.

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MS R 20 Höfische Pracht - Feldherren als Kriegsgewinnler

Feldherren und Kriegsunternehmer wie Wallenstein, Wrangel und Friedrich Heinrich von Nassau-Oranien entwickelten durch ihre militärischen Erfolge ein gesteigertes Repräsentationsbedürfnis, das sich im Bau großzügiger Paläste und intensiver Kunstsammeltätigkeit äußerte und durchaus auf Konkurrenz zu den geborenen Königen und Fürsten angelegt war. Diese Ambitionen waren aber zugleich auch Motivation für die dauernde Fortsetzung des Krieges. Im Zentrum der barocken Sammeltätigkeit stand die Kunstkammer, in der die gekauften, geschenkten oder erbeuteten Pretiosen als Mikrokosmos die Weltordnung abbilden sollten.

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MS R 21 Bataillen - Der malerische Krieg

Während sich die Konflikte in Europa zuspitzten, formulierten die Maler gegen Ende des zweiten Jahrzehnts des 17. Jahrhunderts das Schlachtenthema neu. Sie befreiten sich von dem konkreten Ereignis und konzentrierten sich auf den malerischen Reiz des Kampfes. Neben die traditionell ereignisbezogene Schlachtenmalerei tritt so ein neuer Typus. Dennoch sind auch in diesen Schlachtenszenen Parteilichkeiten oder metaphysische Botschaften erkennbar. Seine drastischste Ausprägung findet das Thema in den Darstellungen der Toten und Verwundeten. Fast,als wollten sie eine Gegenwelt zu dieser Realität schaffen, widmeten sich Künstler, die aus den Kriegsgebieten geflohen waren, den Visionen einer friedlichen Welt: die pastorale Landschaft als utopische Zuflucht, der biblische Triumph als Verheißung des von Gott geschenkten Sieges.

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MS R 22-25 IV. DIE SCHRECKEN DES KRIEGES
(MS, Landesmuseum, Altbau, 1. OG)

Die Bevölkerung erlebte den Krieg hauptsächlich in der Konfrontation mit durchziehenden Heeren. Kontributionszahlungen, Einquartierungen, Konfiskation von Pferden, Vieh und Getreide oder die Versorgung der Soldaten belasteten und schädigten vor allem die Bauern, so daß vielerorts die Landwirtschaft zum Erliegen kam. Trotz Eintreibungen herrschten Bargeldknappheit und Nachschubmangel; in der Folge kam es in allen Armeen zu Meutereien und Übergriffen gegen die Zivilbevölkerung. Die stetig wachsende Zahl der verarmten, kranken und dienstunfähigen Soldaten, die weitgehend auf Plünderungen angewiesen waren, verschärfte die Situation zunehmend. Besonders in den letzten Kriegsjahren wüteten die Soldaten mit enormer Brutalität. Aber sie waren Täter und Opfer zugleich: 30 Prozent Verluste pro Jahr waren in den Armeen die Regel. Schlimmer noch als die direkten Kriegseinwirkungen waren die Folgen der "Geißeln des Krieges": Hunger und Seuchen, wie vor allem die Pest, die sich im Gefolge der Heere ausbreiteten, rafften unterschiedslos Soldaten wie Zivilisten dahin.

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MS R 22 Bilder von Gewalt und Elend

Elend und Not des Krieges blieben auch in der bildenden Kunst nicht ohne Widerhall. Die ästhetische Umsetzung von Hunger, Verzweiflung und Tod in künstlerische Bildmotive leisteten insbesondere die zeitgenössische Malerei und Druckgraphik. Künstler wie Jacques Callot und Hans Ulrich Franck schufen Druckfolgen, die in drastischen Einzelszenen das Leiden der Menschen darstellten. Wichtigstes Thema war der Konflikt zwischen Soldaten und Bauern, wie er bereits die niederländische Kunst und Literatur beschäftigt hatte. Persönliche Kriegserfahrungen der Künstler spiegeln sich auch indirekt in den Motiven und Kompositionen der zeitgenössischen Kunst wider, wie an den verhalten formulierten Bildern Georges de la Tours, den radikalen Stichen Jacqus Callots und Hans Ulrich Francks oder den eindrücklichen Skulpturen Leonhard Kerns deutlich wird.

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MS R 23 Pest, Hunger, Tod. Die Leiden des Volkes

Die Zivilbevölkerung litt unmittelbar unter dem Krieg, unter Einquartierungen und Requirierungen, unter Übergriffen der Soldaten, Plünderungen und Belagerungen. Die oft aufflackernden gewaltsamen Zusammenstöße zwischen Bauernaufgeboten und Soldaten - hier beispielhaft gezeigt am Oberösterreichischen Bauernkrieg von 1626 und an der lothringischen Adeligen Madame de Saint Baslemont - verschlimmerten das Kriegselend nicht selten; die Obrigkeiten konnten meist nicht ausreichend helfen. Enorm waren die ökonomischen Verluste; viele Schatzfunde zeugen davon, daß Wertgegenstände vor heranrückenden Heeren vergraben oder eingemauert worden waren. Hunger und Seuchen - vor allem die Pest - forderten noch mehr Opfer als die eigentlichen Kampfhandlungen. Es herrschte Angst, die sich u.a. in Votivbildern zeigt, die Menschen in Lebensgefahr zu stiften gelobt hatten.

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MS R 24 Die Dichter und der Krieg

Die Literatur begegnet dem Krieg auf verschiedene Weise. Dichtung und Theater feierten siegreiche Schlachten. Zugleich entwickelt sich aber ein Schrifttum, das sowohl dem Leiden unter den Zerstörungen des Krieges als auch der Sehnsucht der Zivilbevölkerung nach Frieden Ausdruck zu verleihen scheint. Es sind jedoch literarische Topoi aus den Anfängen der konfessionellen Auseinandersetzungen, die von den Dichtern während des Dreißigjährigen Krieges aufgegriffen werden. In Tagebüchern und autobiographischen Berichten der Zeit wird deutlich, daß die Bevölkerung sich dem Schrecken hilflos ausgeliefert sah. Nur metaphysische Erklärungen vermochten dem Kriegselend einen Sinn zu geben: als Strafe Gottes für die Sünden und den Hochmut der Menschen. Daher mahnen die Friedensrufe zu Umkehr und Buße, damit der Friede dauerhaft auf die Erde zurückkehre.

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MS R 25 "Gottes Freundt, der Pfaffen Feindt". Der Liboriusschrein

Als Kampf der Konfessionen galt der Krieg auch den religiösen Symbolen. Ein solches war auf katholischer Seite in Paderborn der Reliquienschrein des Stadt- und Bistumspatrons, des heiligen Liborius. 1622 von dem protestantischen Heerführer Christian von Braunschweig geraubt und eingeschmolzen, wurde er in die "Pfaffenfeindtaler" umgeprägt. Für die 1627 zurückgekehrten Reliquien schuf man in Paderborn einen neuen Schrein, der die geistliche und politische Identität des katholischen Hochstiftes veranschaulichte. Der Schrein wurde 1631 vor hessischen Truppen nach Münster gerettet und während der Friedensverhandlungen 1644-1648 ausgestellt. Bis heute erinnert der Schrein an die Drangsale des Dreißigjährigen Krieges.

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Raumplan
Westfälisches Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte Münster, Altbau,
2. Obergeschoß



Westfälisches Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte Münster, Raumplan Altbau, 2. Obergeschoß

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MS R 26-32 V. DER FRIEDE (MS, Landesmuseum, Altbau, 2. OG)

Mit forschreitender Dauer des Krieges erschöpfte sich die finaziellen und miltärischen Kräfte der Kriegsparteien. Der Kaiser mußte erkennen, daß er seine Ziele militärisch nicht durchsetzen konnte. Auch Frankreich und Schweden waren aus unterschiedlichen Gründen am Frieden interessiert. In der Bevölkerung wurde die Sehnsucht nach Frieden immer größer. In mehrjährigen Verhandlungen in Münster und Osanbrück gelang es den Unterhändlern des ersten gesanteuropäischen Gesandtenkongress, einen Friednsvertrag auszuarbeiten, der am 24. Oktober 1648 unterzeichnet wurde und ebenso wie der am 15. Mai 1648 feierlich beschworene spanisch-niederländische Friede ein vielfältiges Echo in den Medien der Zeit erfuhr. In zahlreichen Friedensfeiern bekundeten die Menschen ihre Erleichterung über das langersehnte Kriegsende.

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MS R 26 Gerechtigkeit und Friede

MS R 27 Der Weg zum Frieden

Ende 1641 vereinbarten kaiserliche, schwedische und französische Diplomaten in Hamburg, den Krieg auf einem Universalfriedenskongreß zu beenden. Als Kongreßorte wurden das katholische Münster und die konfessionell gemischte Stadt Osnabrück benannt; die Städte und die Verbindungsstraßen sollten neutralisiert werden, war freilich erst im Mai/Juni 1643 formell vollzogen wurde. Die kaiserliche Post bezog die Kongreßorte in ihre Routen ein. Wachtdienst und Verteidigung der Städte, auch die Herstellung der öffentlichen Ordnung organisierten die Stadträte. Diese waren auch bei der Vermittlung der Quartiere behilflich, die die Gesandtschaften anmieten mußten. Trotz der drangvollen Enge in den Kongreßstädten bestand ein gutes Verhältnis zwischen den Bürgern und den Gesandtschaften, wie etwa deren Patenschaften über Bürgerkinder bezeugen.

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MS R 28 Unter den Augen der Öffentlichkeit

Das Interesse der Öffentlichkeit an den Verhandlungen waren groß. Es spiegelte sich in begleitenden Flugschriften, aber auch in der Nachfrage nach den Gesandtenbildnissen, die seit 1647/48 als Kupferstiche vervielfältigt wurden. Anfang 1646 waren mit der niederländischen Gesandtschaft die Bildnismaler Gerard ter Borch und Anselm van Hulle nach Münster gekommen. Letzterer arbeitete auch in Osnabrück. Manche Gesandte ließen ganze Galerien von Bildnissen ihrer Kollegen als Souvenirs fertigen. Gegenüber den Gesandten repräsentierte die Bürgerschaft die Öffentlichkeit, aber auch Journalisten wie der Holländer Johannes Cools sorgten für Publizität. Man nutzte Prozessionen, das Schultheater der Jesuiten, gedruckte Bücher und selbst Stammbücher, um Friedensappelle an die Diplomaten zu richten und den Erwartungsdruck, endlich Frieden zu schließen.

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MS R 29 Der Friedenskongreß in Münster

Zwischen den katholischen Mächten in Münster - Frankreich einerseits, Spanien und der Kaiser andererseits - erfolgten die Verhandlungen schriftlich über zwei Friedensvermittler, den päpstlichen Nuntius Fabio Chigi und den Venezianer Alvise Contarini, während Spanier und Niederländer in Münster und auch Schweden und Kaiserliche in Osnabrück direkt verhandelten. Zweiseitige Gespräche waren die Regel; nur die Reichsstände besprachen sich wie auf dem Reichstag in Kurien. Die Verhandlungen der Gesandten galten der Umsetzung der politischen Ziele der einzelnen Regierungen, der Kompromißversuch und der Erarbeitung eines juristisch eindeutigen Texts. Formulierungsvorschläge tauschte man schriftlich aus und verhandelte mündlich. Das Beispiel der Vermittlung Chigis über die Abtretung der habsburgischen Besitzungen im Elsaß an Frankreich im September 1646 veranschaulicht hier das Verfahren.

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MS R 30 Die Friedensverträge

Während der spanisch-niederländische Friede vom 30.Januar 1648 den Achtzigjährigen Krieg beendete, stellte das Münsteraner Friedensinstrument vom 24. Oktober den Friedenszustand zwischen dem Kaiser und Reich und dem französischen König wieder her. Die Niederländer gewannen durch ihren Frieden die völkerrechtliche Unabhängigkeit und behielten ihre Kolonien, während Frankreich sein Ziel, die Schwächung des Hauses Habsburg durch die Spaltung der beiden Linien und durch die Festschreibung des Gleichgewichts zwischen Kaiser und Reichsständen sowie zwischen Katholiken und Protestanten erreicht. Alle Friedensschlüsse wurden bereits kurz nach Unterzeichnung der europäischen Öffentlichkeit in gedruckter Form mitgeteilt. Ter Borchs Bild "Die Beschwörung des spanisch-niederländischen Friedens" setzte dem Frieden ebenso ein Denkmal wie zahlreiche gemalte und gestochene Portraits der Gesandten.

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MS R 31 Pax optima rerum

Der lang ersehnte Frieden konnte nicht genug gelobt und gepriesen werden. Das historische Ereignis des Friedensschlusses sowie der friedensverkündende Postreiter fanden vielfältigen Eingang in die Bildmotivik des 17. Jahrhunderts. Der Krieg war beendet, der Kriegsgott Mars besiegt. Die Waffen ruhten endlich, und die Friedenspersonifikation Pax trat in den Vordergrund der bildlichen Darstellung. Die triumphale Rückkehr des Friedens wurde in allegorischen Ausschmückungen gefeiert und zierte Gedenkmünzen und Flugblätter. Das Ende des Krieges bedeutete gleichzeitig ein Erblühen des Handels und des Wohlstands. Auch die Gerechtigkeit hielt wieder Einzug und verband sich in der allegorischen Bildsprache der Friedenszeit mit Pax zu einem geschwisterlichen Kuß.

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MS R 32 Die Friedensfeiern

Die Unterzeichnung der verschiedenen Friedensverträge, die dem ersten großen europäischen Konflikt ein Ende bereiteten, wurde in vielen Festen von Mai 1648 bis 1650 in ganz Europa gewürdigt. Die ersten Friedensfeste fanden in den nördlichen und südlichen Niederlanden statt; man feierte den Frieden, der zwischen Spanien und den Vereinigten Provinzen am 15. Mai beschworen worden war. Das Jahr des Nürnberger Hauptrezesses, 1650, war Anlaß zu zahlreichen großen und kleinen Friedensfeiern in Städten des Reiches sowie in Schweden. Die Vielfalt der Feierlichkeiten äußerte sich auch in Friedensumzügen, Theater- und Ballettaufführungen sowie in Friedensfeuerwerken. Der Friede spiegelt sich zudem in Literatur und Musik der Zeit.

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MS R 33-35 VI. DER FRIEDE UND EUROPA (MS, Landesmuseum, Altbau, 2. OG)

Der Westfälische Friede legte die Grundlage für ein europäisches Mächtesystem auf der Basis souveräner Staaten und völkerrechtlicher Gleichheit. Auf ihn folgte freilich keine Phase dauerhafter Waffenruhe für Europa. Spätere Friedenskongresse griffen allerdings auf die Verfahrensweise des Verhandelns in Münster und Osnabrück zurück; die Verhandlungspartner bekräftigten zudem das System des Westfälischen Friedens für das Zusammenleben der Völker in Europa. Friedensallegorien in der Tradition der von Peter Paul Rubens neu geschaffenen Bildsprache feierten Frieden als Garant für Wohlstand, Entfaltung von Kunst und Wissenschaft, kurz: für das Allgemeinwohl. Das Bemühen um Frieden galt als eine der edelsten Herrschertugenden.

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MS R 33 Der Westfälische Friede als Vorbild

Die Hoffnung auf einen dauerhaften Frieden, wie sie im Vertragstext des Westfälischen Friedens formuliert war, erfüllte sich nicht. Die französisch-spanische Auseinandersetzung dauerte bis 1659 an; im Ostseeraum entbrannte zwischen 1655 und 1660 ein neuerlicher Krieg zwischen Schweden und Polen, an dem sich auch Kurbrandenburg und Dänemark beteiligten. Dennoch wirkte der westfälische Friedenskongreß als Modell fort. Er wurde zum Vorbild für die Methoden der Friedensverhandlung und Friedensvermittlung. In späteren Friedensverträgen wird, bis zum Frieden von Teschien 1779, immer wieder auf die Friedensinstrumente von Münster und Osnabrück verwiesen. Die Bildberichte von den europäischen Friedenskongressen zeigen die zentrale Rolle der Gesandten für den internationalen Interessensausgleich.

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MS R 34 Freiheit als Gewinn - Die Republik der Niederlande

Für die niederländische Republik war die Anerkennung ihrer Souveränität das wichtigste Ergebnis des Friedens. Amsterdam, die einflußreichste Stadt in Holland, der mächtigsten Provinz des Landes, hatte sich sehr für den Frieden eingesetzt und betonte daher auch die wichtige Rolle, die es bei dessen Zustandekommen gespielt hatte. Dies kommt im eindrucksvollen Amsterdamer Rathaus (1648-1654) zum Ausdruck, das in seiner Gesamtheit als "Friedensmonument" charakterisiert werden kann. Andererseits stellten sich auch die Oranier, als Statthalter und Heeresführer formal im Dienst der Generalstaaten, gern als die großen Friedensstifter dar. Im Zentrum stand dabei immer die Person Friedrich Heinrichs, obgleich dieser bereits 1647 gestorben war. Die südlichen Niederlande kehrten mit dem Westfälische Frieden endgültig unter spanische Herrschaft und zum katholischen Glauben zurück.

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MS R 35 Der Friede ist die höchste Kunst

Schon während des Dreißigjährigen Krieges drückten führende europäische Künstler die Sehnsucht nach Frieden und die Mahnung an die Regierenden, Frieden zu schließen, in großen allegorischen Bildern aus, in denen Personifikationen der Prudentia, der Sapientia, der Minerva und der Justitia gegen Mars auftreten oder durch ihr Zusammenwirken den Frieden und Wohlstand herbeiführen. Nach dem Friedensschluß in Münster wurde der Friede in seiner allgemeinen Bedeutung vor allem in der Malerei und in der Grafik gefeiert. Künstler, wie Peter Paul Rubens, Simon Vouet, Laurent de la Hyre oder Joachim Sandrart, aus unterschiedlichen Traditionen kommend und dennoch alle mehr oder weniger von der italienischen Kunst beeinflußt, machten die Friedensallegorie um die Mitte des 17. Jahrhunderts zur bedeutendsten Bildgattung, die den Frieden verherrlichte.

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MS R 33-35 VII. DIE STÄDTE DER FRIEDENSVERHANDLUNGEN
(MS, Rathaus; OS, Akzisehaus)

Seit 1636 hatte es ersten Anläufe zu Friedensverhandlungen gegeben, doch einigten sich die beteiligten Mächte - der Kaiser, Schweden und Frankreich - erst 1641 auf die konkreten Verhandlungsorte. Im sogenannten Hamburger Präliminarvertrag wurde der schwedische Wunsch nach zwei getrennten Kongreßstädten berücksichtigt; allerdings fiel die Wahl nicht auf die ursprünglich gewünschten Städte Köln und Hamburg, sondern auf die beiden konfessionell unterschiedlich geprägten westfälischen Bischofssitze Münster und Osnabrück, die eine Tagesreise auseinander lagen. Diese Entscheidung stellte die beiden Kommunen vor enorme logistische Probleme. Gleichwohl gelang es Münster mit seinen zirka 10.500 und Osnbrück mit seinen etwa 6.000 Einwohnern, die eine Unterbringung, Verpflegung und Sicherheit der annähernd 200 Gesandtschaften mit ihren ungefähr 10.000 Mitgliedern zu gewährleisten.

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MS Die Kongress-Stadt Münster (MS, Rathaus)

Im katholischen Münster, der mit rund 10.500 Einwohnern größten Stadt Westfalens, verhandelten die katholischen Habsburger - der Kaiser und Spanien - mit Frankreich und den Niederlanden. Die Kongreßzeit bildete für die Stadt einen Höhepunkt ihrer Freiheit, eine glanzvolle Zeit. Die innerstädtische Verfassung war im Gleichgewicht zwischen Rat und Gilden. Die humanistisch geprägte Stadtgesellschaft vereinigte durch Bildung und Interessen Honoratioren, Kleriker und Künstler. Nach dem Friedenschluß beschlossen beide Verhandlungsstädte, das Andenken an den Kongreß durch eine Galerei der Gesandtenportraits in ihre Rathäusern zu wahren.

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OS Die Kongress-Stadt Osnabrück (OS, Akzisehaus)

In der Bischofsstadt Osnabrück verhandelten die Schweden und ihre Verbündeten mit dem Kaiser. Die Stadt war nach eine Phase scharfer Rekatholisierungsversuche 1628-1633 trotz schwedischer Besatzung (seit 1633) bikonfessionell geblieben, so daß beide Seiten ihre Gottesdienste besuchen konnten. Die Bürger hatten die Neutralisierung als Kongreßstadt freudig erwartet, zumal nun die teure schwedische Garnison abzog. Die Präsenz der Gesandten befriedete sogar die latenten Konflikte in der Stadt und erzwang ein Ende der 1636 aufgeflammten Hexenverfolgungen. Die protestantischen Bürger einte die Angst vor der Rückkehr des katholischen Fürstbischofs, dessen ab 1628 als Zwingburg am Stadtrand angelegte Zitadelle Petersburg 1648 nach der verkündigung des Friedens zerstört wurde. Buß- und Bettag für den Frieden bildeten ein Forum für Friedensappellle der Bürger.

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Kunsthalle Dominikanerkirche, Osnabrück



Kunsthalle Dominikanerkirche, Osnabrück
OS S 1-3 VIII. GLAUBE ZWISCHEN KRIEG UND FRIEDEN
(OS, Kunsthalle Dominikanerkirche)

Der Dreißigjährige Krieg begann in der Tradition des Glaubenskampfes, den die Religionsparteien seit der Reformation gegeneinander geführt hatten. Zu Beginn des 17. Jahrhunderts hatte die Glaubensspaltung ein Stadium erreicht, das die kirchlich-theologische Konfessionsbildung zu orthodoxen Positionen zuspitzen ließ. Schon die Ausstattung des Kirchenraums und die Gestaltung der liturgischen Geräte brachte die wichtigsten Unterscheidungsmerkmale der jeweiligen Glaubenslehre zum Ausdruck. Staat, Wirtschaft, Kultur und Gesellschaft waren einem Prozeß der Durchdringung, Umwandlung und Formierung im Geist eines konfessionalisierten Christentums unterworfen. Die Konfessionalisierung strukturierte die politischen, kulturellen und sozialen Verhaltensmuster des einzelnen. Im Alltag des Krieges war die Religion für den einzelnen aber auch Trost und Sinnstiftung. Der Westfälische Fiede entschärfte durch zahlreiche Kompromißbestimmungen das politische Konfliktpotential, das dem Unterschied zwischen den Konfessionen bisher zusätzlich Brisanz verliehen hatte. Innerhalb der konfessionell geprägten Kulturlandschaft blieb die Konfessionszugehörigkeit jedoch weiterhin ein wichtiges Element der Identitätsbildung.

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OS S 1 Eine Religion - drei Kirchen

Die Spaltung der "einen Kirche" hatte im 16.Jahrhundert zu drei Konfessionen geführt, deren Unterschiede sich am deutlichsten im Gottesdienst manifestierten, der die Gläubigen jeweils ihrer konfessionellen Zugehörigkeit versicherte. Hatte die katholische Kirche die Feier der heiligen Messe als gottgewollte Gottesdienstform verteidigt und bewahrt, so postulierten die evangelischen Kirchen die Verkündigung der "reinen Lehre der Wahrheit" gemäß der Heiligen Schrift. Als Mittel der Belehrung und Erziehung stand bei ihnen die Predigt im Vordergrund. Insbesondere die je verschiedene Definition des Abendmahls wurde zum Zeichen konfessioneller Abgrenzung. Die Ausgestaltung des Kirchenraums geriet den Konfessionskirchen nicht selten zum Lehrprogramm ihrer Glaubensgrundsätze.

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OS S 2 "Geistlicher Rauffhandel". Die Konfessionen im Krieg

Das Reformationsjubiläum 1617 heizte die Polemik zwischen Katholiken, Calvinisten und Lutheranern an. Der Gegensatz der Bekenntnisse drängte die latenten politischen Konflikte vielerorts zur Entscheidung: Das bedeutete Krieg. Zu den konfessionellen traten allerdings sogleich politische und machtstaatliche Ziele, so beim dänischen Kriegseintritt 1625 und beim Eingreifen Gustav II.Adolfs von Schweden 1630. Die Kriegspropaganda verwende Glaubensbilder und Symbole: Während den Katholiken die Muttergottes Maria, der hl. Michael sowie Territorialheilige (in Köln etwa der hl. Engelbert) als Hoffnungsträger galten, stilisierten die deutschen Protestanten ab 1630 Gustav Adolf zur Erlöserfigur. Die Erfahrung der Kriegsleiden führte aber auch zu intensivierter Frömmigkeit; zugleich wurden alte "irenische", auf den Frieden zwischen den Konfessionen gerichtete Bestrebungen wiederbelebt.

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OS S 3 Frieden zwischen den Konfessionen?

Die im westfälischen Friedenswerk in Osnabrück ausgehandelten reichsrechtlichen Regelungen, die ein konfessionelles Nebeneinander auf der Basis gegenseitiger Akzeptanz und Gleichberechtigung bestimmten, sorgten für eine Befriedung der Konfessionskonflikte. Die Konfession eines Klosters, eines Dorfes, einer Stadt oder eines Territoriums wurde gemäß dem tatsächlichen Besitz- und Konfessionsstand vom 1. Januar 1624 festgelegt. Das Vertragswerk verbürgte Rechtssicherheit und konfessionelle Duldung, wenn auch letzteres nicht im Sinne einer individualrechtlichen Religionsfreiheit. Das im Augsburger Religionsfrieden festgelegte Prinzip von "cuius regio, eius religio", das die konfessionelle Bindung der Untertanen an den Glauben des Landesherrn bestimmte, war nun aufgehoben. Für einzelne Gebiete galten Sonderregelungen.

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Kulturgeschichtliches Museum, Osnabrück, Erdgeschoß



Kulturgeschichtliches Museum, Osnabrück, Erdgeschoß
OS R 1-2 IX. DAS HEILIGE RÖMISCHE REICH DEUTSCHER NATION
(OS, Kulturgeschichtliches Museum, EG)

Nachdem die politische Krise im Anschluß an die Reformation durch den Augsburger Religionsfrieden beigelegt worden war, herrschte im Reich für eine Generation ein politisch-konfessioneller Friede zwischen Kaiser und Ständen ebenso wie zwischen Katholiken und Lutheranern. Ab den 1570er Jahren trat eine neue Generation von Reichsfürsten in Erscheinung, die aktiv auf eine Stärkung ihres jeweiligen Bekenntnisses hinarbeitete, auch wenn dies zu Konflikten mit ihren andersgläubigen Standesgenossen führte. Nach und nach wurden all jene Reichsinstitutionen lahmgelegt, die für den gewaltlosen Konfliktaustrag zwischen den Reichsständen unentbehrlich waren. Ohne die mäßigende Kraft dieser Institution drohte jeder Konflikt im Reich außer Kontrolle zu geraten. 1608 schlossen sich einige prostestantischen Reichsstände zur "Union", einem Verteidigungsbündnis, zusammen. Mehrere katholische Fürsten gründeten ein Jahr später die "Liga". Das Reich verharrte in angespannter Erwartung, bis 1618 in Böhmen dann der Funke endgültig übersprang und Europa in einem dreißigjährigen Krieg versinken ließ.

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OS R 1 Die Krise um 1600

Das Heilige Römische Reich Deutscher Nation war die vorstaatliche Ordnung in Mitteleuropa, anders beschaffen als die entstehenden europäischen Nationalstaaten im Westen und Norden. Etwa zwei Jahrzehnte nach dem Abschluß des Augsburger Religionsfriedens von 1555 übernahmen in zahlreichen Territorien des Reiches konfessionelle Eiferer die Regierung, die den eigenen Glauben auch gegen Widerstände durchzusetzten bereit waren. Bestehende Rechtsverhältnisse ignorierte man oder legte sie zu eigenen Gunsten aus. Daß dadurch politische Sicherungsinstrumente beschädigt wurden, nahm man in Kauf. Bald konnten das Reichskammergericht und schließlich auch der Reichstag ihre Funktion als Orte des gewaltlosen Konfliktaustrags nicht mehr wahrnehmen.

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OS R 2 Union und Liga

Nachdem Herzog Maximilian von Bayern Streitigkeiten um Donauwörth 1606/07 zur Unterwerfung der Reichsstadt unter Bayern und zur Rekatholisierung genutzt hatte, organisierten sich 1608 einige protestantische Stände unter Führung des Kurfürsten von der Pfalz im Sicherheits- und Militärbündnis der Union. Ein Jahr später schufen sich auch die katholischen Stände ein eigenes Sicherheitssystem, die Liga, angeführt durch Herzog Maximilian I. von Bayern. Zur selben Zeit trugen Kaiser Rudolf II. und Erzherzog Matthias einen heftigen innerfamiliären Konflikt aus; damit war die mäßigende Rolle des kaiserlichen Amtes ausgespielt und eine Entschärfung der gefährlichen politisch-konfessionellen Gesamtkonstellation kaum noch möglich. Auch von den Anführern der Bündnissysteme gingen keine entscheidenden Impulse aus, um einen Krieg zu vermeiden.

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OS R 3-12 X. DREISSIGJÄHRIGER KRIEG UND WESTFÄLISCHER FRIEDE
- EREIGNISSE UND PERSONEN
(OS, Kulturgeschichtliches Museum, EG)

Der Dreißigjährige Krieg wird häufig in vier Phasen eingetelt, die nach den jeweiligen Gegnern des Kaisers benannt sind. Der "Böhmisch-Pfälzische Krieg" begann 1618 mit dem Prager Fenstersturz und endete in der ersten Hälfte der 1620er Jahre. 1625 griff Christian IV. von Dänemark zu den Waffen und eröffnete den sogenannten "Dänisch-Nidersächsischen" Krieg, der mit dem Frieden von Lübeck 1629 seinen Abschluß fand. Die Landung Gustavs II. Adolf von Schweden in Pommern im Sommer 1630 markiert den Beginn des "Schwedischen Krieges", der auch nach dem Tod des Königs 1632 andauerte und den die Schweden seit dem Kriegseintritt Frankreichs 1635 in der Phase des sogenannten "Französisch-Schwedischen Krieges" gemeinsam mit ihrem neuen Verbündeten weiterführten. Spätestens dieses Bündnis der katholischen Franzosen mit den protestantischen Schweden gegen den katholischen Kaiser zeigt, daß der Kampf der europäischen Mächte seine konfessionelle Komponente eingebüßt hatte. Nachdem man sich 1641 auf die Einberufung eines Friedenskongesses geeinigt hatte, begannen 1645 substantielle Verhandlungen, die am 24. Oktober 1648 mit dem Westfälischen Frieden ihren Abschluß fanden.

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OS R 3 Der Prager Fenstersturz

Der große Krieg begann an der Peripherie des Reiches: Mit dem Prager Fenstersturz vom 23. Mai 1618 vollzog die böhmische Ständeopposition symbolisch den Bruch mit dem Habsburger Erzherzog Ferdinand, der erst elf Monate zuvor zum König von Böhmen angenommen worden war. Die Ständevertreter hatten in den vorausgegangenen Jahren ihren Einfluß auf die Regierungsgeschäfte ausgedehnt; auch konnte sie ihr protestantisches Bekenntnis zunehmend freier ausüben. Von Ferdinand war eine entschlossene Zurückdrängung dieser Errungenschaften zu erwarten. Die Stände setzten den katholischen Habsburger ab und wählten den protestantischen Kurfürst Friedrich V. von der Pfalz zum neuen König von Böhmen. Daraufhin sammelte Ferdinand eine politisch-militärische Koalition, um seine Autorität und die frühere politische Ordnung wiederherzustellen.

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OS R 4 Die Schlacht am Weißen Berg

Die Lage der böhmischen Opposition und ihres neugewählten Königs Friedrich V. verschlechterte sich rapide, nachdem die Kurfürsten - einschließlich des Pfälzers - den in Böhmen abgesetzten Ferdinand zum Kaiser gewählt hatten. Aus dem Aufstand gegen den böhmischen König war ein Aufstand gegen den römisch-deutschen Kaiser geworden. Traditionsbewußte Fürsten wie der sächsische Kurfürst waren kaum bereit, Friedrich weiter zu unterstützen. So blieben die Böhmen weitgehend auf sich allein gestellt, als es am 8. November 1620 vor den Toren Prags zur ersten großen Schlacht des Krieges kam: Truppen der Liga und des Kaisers vernichteten innerhalb von zwei Stunden das böhmische Heer. Friedrich, von nun an spöttisch der "Winterkönig" genannt, mußte fliehen, und die Habsburger kehrten mit erweiterter Macht nach Böhmen zurück.

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OS R 5 Veltlin - Heidelberg - Breda. Spanische Straße und Pfälzischer Krieg

Nach der Niederlage Friedrichs V. in Böhmen setzte sich die Flandrische Armee der Spanier unter Ambrogio Spinola zwischen 1620 und 1623 in den Besitz der Rheinpfalz. Spanien gewann dadurch einen wichtigen Stützpunkt an der "Spanischen Straße", jener Verbindungslinie zwischen Mailand und Brüssel, auf der Waren und Waffen für die Streitkräfte in den Niederlanden transportiert wurden. Auch die Konfrontation mit den Graubündner Talschaften stand in Zusammenhang mit den strategischen Bedürfnissen der katholischen Großmacht: Die mehrheitlich protestantischen Veltliner Einwohner sollten rekatholisiert und den spanischen Militärbedürfnissen dienstbar gemacht werden. Für einige Jahre standen die Verkehrswege den Spaniern offen. Dadurch begünstigt, erzielte Spinolas Armee 1625 ihren größten Erfolg in den Niederlanden, die Einnahme der Oranierstadt Breda.

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OS R 6 Dänischer Feldzug und Auftritt Wallensteins

Christian IV. von Dänemark hatte sich 1625 mit England und den Vereinigten Niederlanden verbündet, um dem Vordringen der katholischen Heere nach Norddeutschland entgegenzutreten. Dabei konnte er in seiner Eigenschaft als Herzog von Holstein und als Obrist des Niedersächsischen Kreises sein Eingreifen als Schutzmaßnahme für die norddeutschen Stände rechtfertigen. Nach schweren Niederlagen gegen das Ligaheer unter Tilly und Wallensteins neugeworbene Streimacht mußte Christian 1629 in Lübeck Frieden mit dem Kaiser schließen. Zwar waren die Bedingungen mild, Einfluß auf das weitere Kriegsgeschehen im Reich konnte Christian freilich nicht mehr nehmen. Demgegenüber stand Kaiser Ferdinand II. auf der Höhe seiner Macht und verfügte im selben Jahr das Restitutionsedikt, die Rückgabe aller 1552/1555 in protestantische Hand geratenen Kirchengüter an ihre früheren Besitzer.

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OS R 7 Der "Löwe aus Mitternacht"

Gustav II.Adolf begründete seine sorgfältig geplante Landung in Deutschland 1630 als "Rettung" der Protestanten im Reich. Gleichwohl zögerten die protestantischen Reichsfürsten zunächst, sich mit dem König zu verbünden. Erst die Zerstörung Magdeburgs durch kaiserliche Truppen im Mai 1631 bewog Kursachsen und Kurbrandenburg zur Allianz mit Schweden. Der überwältigende Sieg der verbündeten schwedischen und sächsischen Heere bei Breitenfeld (September 1631) öffnete den Schweden West- und Süddeutschland. Hatte sich Gustav Adolf schon in der innerschwedischen Propaganda als "Retter" und "Löwe aus Mitternacht", also aus dem Norden, stilisieren lassen, so wurde diese Interpretation nach seiner Landung gleichsam zum Leitmotiv schwedisch-protestantischer Propaganda, bald aber auch eines hochfliegenden Selbstverständnisses.

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OS R 8 Gustav Adolf. Verehrung und Kult

Mit dem Sieg von Breitenfeld setzte eine mythische Verehrung Gustav Adolfs ein, die ihn ? nicht zuletzt dank seiner eigenen Propaganda ? zur Retter- und Erlösergestalt stilisierte. Nach seinem Tod steigerte sich dies zu einem wahren Kult. Die Popularität des Königs spiegelte sich in vorher nie dagewesenem Maße in kunsthandwerklichen Gegenständen und brachte eine regelrechte "Industrie" hervor. Der diesem Thema gewidmete Raum der Ausstellung zeigt einerseits persönliche Geschenke, die Gustav Adolf selbst vergab und die in späterer Zeit wie "Reliquien" behandelt wurden, andererseits sind offizielle Präsente zu sehen, die er selbst erhielt - wie beispielsweise Teile des Hainhofer Kunstschrankes. Die dritte und größte Gruppe von Objekten der Gustav Adolf-Verehrung sind Produkte wie Tafelgeräte, Wachsfigürchen oder Spielsteine.

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OS R 9 Tod bei Lützen

Gustav Adolfs politische Ambitionen werden in einer großen Büste anschaulich, die der Bildhauer von der Putt für die Festung Gustavsburg entwarf, die zeitweilige Residenz des Königs bei Mainz. Für die katholischen Mächte nahmen die territorialen Zugewinne der Schweden bedrohliche Formen an; der Übergang schwedischer Truppen über den Lech und der Tod des kaiserlichen Heerführers Tilly waren einschneidende Ereignisse. Zu Gustav Adolfs Hauptgegner wurde der neuerlich berufene Generalissimus Wallenstein. Die nur kurze, wenngleich militärisch erfolgreiche Phase schwedischer Kriegsführung auf Reichsboden unter dem Oberkommando von Gustav Adolf endete im November 1632 jäh mit dem Tod des Königs bei Lützen.

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OS R 10 Nördlingen - Letzter Triumph der Habsburger

Nach dem Tod des Schwedenkönigs lag die schwedische Außenpolitik ganz in Händen des Reichskanzlers Axel Oxenstierna. Kaiserliche wie schwedische Kriegspartei umwarben gleichermaßen die protestantischen Vormächte Sachsen und Brandenburg. Wallenstein, in dieser Hinsicht Gegenspieler Oxenstiernas, versuchte durch Geheimverhandlungen beiderseitige Allianzen zu schließen. Sein undurchsichtiges Taktieren wurde ihm zum Verhängnis: 1634 wurde er in Cheb/Eger ermordet.Schließlich bewog der überwältigende Sieg der kaiserlichen Truppen bei Nördlingen (1634) den Großteil der Reichsstände, dem 1635 zwischen dem Kaiser und Kursachsen geschlossenen Prager Frieden beizutreten. Schweden war nun von den meisten Bündnispartnern verlassen. Doch die protestantischen Stände fanden mit Frankreich eine neue Schutzmacht, das kurz darauf offen in den Krieg eintrat.

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OS R 11 Kaiser, König, Kardinal. Frankreich greift ein

War Frankreich zunächst durch seine Unterstützung der protestantischen Reichsfürsten und Finanzhilfe für Schweden nur indirekt am Krieg beteiligt, so griff es 1635 nach Beendigung der inneren Konflikte offen in den Krieg ein. Ziele waren die Lösung Frankreichs aus der Umklammerung durch die spanischen und österreichischen Habsburger und die Schwächung der Macht des Kaisers innerhalb des Reiches; dabei sollten gleichzeitig die Gebiete nördlich der Pyrenäen und westlich des Oberrheins unter Frankreichs unumschränkte militärische Kontrolle gebracht werden. Dem spanischen König Philipp IV. ging es vor allem um Bewahrung der spanischen Vorrangstellung in Europa, die Sicherung der italienischen und burgundischen Positionen sowie die Untergrabung der politisch- militärischen Zusammenarbeit zwischen Frankreich und der niederländischen Republik.

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OS R 12 Der umkämpfte Weg zum Frieden

Weihnachten 1641 einigten sich Schweden, Frankreich und der Kaiser auf die Aufnahme von Friedensgesprächen in Münster und Osnabrück. Trotz der Verhandlungen gingen die Kämpfe bis unmittelbar vor Friedensschluß 1648 weiter. 1643/45 unterband Schweden durch einen siegreichen Krieg gegen Christian IV. dänische Vermittlungsversuche. Als die spanische Unterstützung für den Kaiser zunehmend geringer wurde, geriet dieser militärisch nach der Schlacht bei Jankau (März 1645)in eine sehr bedrohliche Lage. Ferdinand III. mußte die Reichsstände zu den Verhandlungen zulassen und entsandte seinen wichtigsten Ratgeber, den Grafen Trauttmansdorff, mit Sondervollmachten nach Westfalen. Nun wurden die Sachfragen ernsthaft verhandelt, so daß es am 24. Oktober 1648 zur Unterzeichnung des Friedensschlusses kommen konnte. Bereits am 30. Januar 1648 hatten Spanien und die Niederlande ihren Frieden geschlossen.

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Kulturgeschichtliches Museum, Osnabrück, Obergeschoß



Kulturgeschichtliches Museum, Osnabrück, Obergeschoß
OS R 13-14 XI. KUNSTRAUB UND BEUTEKUNST
(OS, Kulturgeschichtliches Museum, OG)

Beute zu machen galt seit jeher als legitimer Versuch, den Feind physisch und psychisch zu schädigen. Entsprechend wurde das kriegsrechtlich definierte "Ius praedae" - das Recht auf Beute, über das kein Geringerer als Hugo Grotius eine Abhandlung verfaßte - auch im Dreißigjährigen Krieg vielfach wahrgenommen. Die künstlerisch hochstehende Beute stand hierbei ausschließlich hochrangigen Personen zu, zumal Kunstbesitz vor allem seit der Renaissance zur fürstlichen und adligen Selbstdarstellung und Identität gehörte. Über die übliche Beuteabsicht hinaus schädigte der Kunstraub gerade das fürstlich-ideologische Selbsverständnis des Gegners. Daher waren Gemälde, Statuen, Bücher und jede Art von Kunsthandwerk im Dreißigjährigen Krieg auf allen Seiten begehrte Beute. Sie bildet noch heute einen wesentlichen Bestandteil der Sammlungen zahlreicher international renommierter Musseen.

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OS R 13 Kunstraub und Beutekunst

Daß die Absicht, wertvolle Kunstwerke zu erbeuten, selbst während der Westfälischen Friedensverhandlungen ungebrochen weiterwirkte, zeigt das Beispiel Prag: Noch in der letzten Verhandlungsphase im Sommer 1648 eroberte der schwedische General Königsmarck den Hradschin und weitere Päläste der Kleinseite. Königin Christina regierte schnell und entschlossen, als sie - zeitgleich mit dem Abschluß des schwedisch-kaiserlichen Vorfriedens - den sofortigen Abtansport der Prager Kunstschätze nach Schweden befahl. So eignete sie sich die berühmte Kunstammlung Kaiser Rudolfs II. an, die damals europaweit als Inbegriff fürstlichen Kunsverstands galt. Zwar protestierten die kaiserlichen Gesandten auf dem Friedenkskongreß aufs heftigste, doch wurde die kostbare Fracht ungehindert nach Schweden überführt.

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OS R 14 Kunstraub und Beutekunst

Schon die erste prominente Beute des Dreißigjährigen Kriegs war spektakulär gewesen: die Heidelberger Bibliotheca Palatina. Die berühmte Büchersammlung ging nach der Einnahme der Stadt durch Tilly 1622 als Geschenk Maximilians von Bayern an Papst Gregor XV. Gustav Adolf verband des Streben nach Beute mit dem Bemühen um die Hervorhebung des Bildung im eigenen Land. Der systematisch betriebene Abtransport von Bibliotheken sollte den Lehrstätten in Schweden zugute kommen. Im gegenseitigen Nehmen blieben Revanche-Akte nicht aus. So war die Beschlagnahme der Sammlung Maximilians von Bayern 1632 durch Gustav Adolf eine Antwort auf den Raub der Palatina. Die Plünderung der herzoglichen Stuttgarter Kunstkammer sowie der Tübinger Schloßbibliothek könnten wiederum Reaktionen Maximilians gewesen sein.

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OS S 15-18 XII. DER FRIEDE UND DAS REICH
(OS, Kulturgeschichtliches Museum, OG)

Im Westfälischen Frieden wurde das politische Gleichgewicht zwischen Kaiser und Ständen in allen wichtigen Fragen wiederhergestellt und festgeschrieben. Damit war es den Reichsständen mit französischer und schwedischer Unterstützung gelungen, in Zukunft eine kaiserlische Zentralisierungs- und Verdichtungspoltik zu verhindern. Das Recht der Stände, Bündnisse mit benachbarten Mächten zu schließen, wurde ausdrücklich bestätigt, allerdings mit der Einschränkung, daß sie sich nicht gegen den Kasier und Reich richten dürften. Darüber hinaus wurde die konfessionelle Gleichberechtigung für Katholiken, Lutheraner und Calvinisten im Reich hergestellt. Für die Konfessionsverhältnisse und die Besitzverteilung an kirchlichen Gütern bildete der 1. Januar 1624 den Stichtag. Künfig mußte auch im Falle fürstlicher Konversionen alles so bleiben, wie es 1624 gewesen war. Wie der goldene Bulle und der Augsburger Religionsfrieden war der Westfälische Frieden ein Reichsgrundgesetz. Die Klärung einiger in Münster und Osnabrück nicht gelöster Fragen, vor allem des schwedischen Truppenabzugs, blieb weiteren Verhandlungen 1649/50 in Nürnberg vorbehalten.

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OS R 15 Friedensexekution

Bei dem Friedensschluß in Münster und Osnabrück waren einige Fragen offen geblieben, so insbesondere die Abfindung der schwedischen Armee in Deutschland. Allerdings hatte man bereits im Grundsatz festgelegt, wie die schwedische Kriegsentschädigung auf die zahlungspflichtigen Reichsstände verteilt werden sollte und auf welche Weise der Abzug der schwedischen Truppen aus den einzelnen Territorien des Reiches zu geschehen habe. Nun sollten auf Druck der schwedischen Armeeführung in Nürnberg dazu nähere Regelungen verhandelt werden. Dabei bestand auf schwedischer Seite durchaus die Hoffnung auf günstigere Bedingungen als im westfälischen Friedensinstrument formuliert. Nachdem bereits im September 1649 ein erstes Abkommen vereinbart worden war, konnten im Sommer 1650 die Nürnberger Abschlußdokumente unterzeichnet werden.

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OS R 16 "Kriegs Ab- und Friedens Einzug"

In Nürnberg umgab ein reges kulturelles Leben die Gesandten: Bildende Künstler, Dichter und Musiker ließen sich von der Stadt, den versammelten Diplomaten oder vermögenden Bürgern engagieren, Künstlerpersönlichkeiten wie Joachim von Sandrart, Sigmund von Birken, Georg Philipp Harsdörffer oder Johann Klaj standen in ständigem Kontakt zu den Delegationsführungen. Besondere Höhepunkte der Verhandlungen waren die beiden großen Friedensfeiern, die von schwedischer und kaiserlicher Seite veranstaltet wurden: Am 25. September 1649 gab der schwedische Prinzipalgesandte, Pfalzgraf Karl Gustav von Zweibrücken, ein großes Gastmahl, und am 4. Juni 1650 lud der kaiserliche Hauptgesandte Ottavio Piccolomini die Vertreter der übrigen Mächte zu einem großen Bankett ins Nürnberger Rathaus ein, um anschließend ein prachtvolles Feuerwerk zu geben.

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OS R 17 Ein Grundgesetz für das Reich

Die meisten Regelungen des Osnabrücker Friedensinstruments (IPO) beziehen sich auf Verfassungsfragen des Heiligen Römischen Reiches. Den Gesandten gelang es, ein Grundgesetz für die Mitte Europas festzuschreiben, das länger als 150 Jahre Bestand hatte. Dabei achteten die internationalen Großmächte darauf, daß diese Ordnung vom Gedanken des Gleichgewichts zwischen Kaisertum und Reichsständen sowie zwischen den Konfessionsparteien getragen war. Keiner konnte ohne oder gegen die andere Seite Entscheidendes bewirken. Die größeren Fürsten führten zwar nach 1648 ihre Politik des inneren Landesausbaus und der Machtabrundung im Prinzip fort, doch sie wurden durch das Regelwerk soweit gezähmt, daß auch die kleinen, mindermächtigen Stände in ihrem politischen Überleben gesichert blieben.

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OS R 18 Im Spiegel der Erinnerung

Die Erinnerung des Westfälischen Friedens hat sich seit 1648 mehrfach geändert. In Augsburg erinnerten jährlich zum Friedensfest am 8. August erscheinende "Friedensblätter" - Kupferstiche mit erläuterndem Text - an die Bedrückung der Protestanten während des Krieges. Im 18. Jahrhundert feierte Friedrich Schiller - ähnlich wie andere seiner Zeitgenossen, den Westfälischen Frieden als "großartigstes Werk menschlichen Geistes". Das nationalstaatlich geprägte Deutschland dagegen hegte von 1813 bis 1945 antifranzösische Ressentiments, die ihren Höhepunkt 1940 in einer nationalsozialistischen Propagandausstellung zum Westfälischen Frieden fanden. Erst die Feierlichkeiten von 1948 gewannen dem Vertragswerk - unter dem Eindruck des Zweiten Weltkrieg stehend - wieder positivere Aspekte ab.

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