Vorwort

Die beiden Aufsatzbände, die ebenso wie der Ausstellungskatalog in deutscher und englischer Fassung vorliegen, vereinigen den aktuellen Stand der Forschung zur Epoche des Dreißigjährigen Krieges und des Westfälischen Friedens. So kann sich der Leser mit den Zusammenhängen, Problemen und Argumenten, die ihm in der 26. Europaratsausstellung "1648 - Krieg und Frieden in Europa" buchstäblich vor Augen geführt werden, vertiefend beschäftigen. Darüber hinaus kommen Themen zur Sprache, die in der Ausstellung nur angedeutet werden konnten oder sogar ganz ausgeblendet werden mußten, da sie sich nur schwer oder gar nicht veranschaulichen ließen.

Der erste Band befaßt sich mit den historischen Zusammenhängen in Staat, Kirche und Gesellschaft. Dabei gilt die Aufmerksamkeit zum einen jenen Strukturen und Prozessen, die - längerfristig gesehen - als Vorgeschichte der historisch-politischen Kultur unserer Gegenwart erscheinen. Zum anderen sollen aus kulturgeschichtlicher und anthropologischer Sicht der Alltag und die Lebenswelten der Menschen vergegenwärtigt werden, die den Dreißigjährigen Krieg als ihr kaum begreifbares Schicksal durchlebten und sich deshalb um so tiefer nach dem "güldenen Friden" sehnten.

Der zweite Band ist den Künsten gewidmet: Eine der leitenden Perspektiven ist hier vor allem das faszinierende Wechselspiel zwischen Krieg und Kunst, zwischen Kunst und Frieden. So ambivalent der Einfluß der historischen Ereignisse auf die Kunst ist - neben blühenden Kunstzentren werden zugleich ganze Landstriche verwüstet und gehen für Jahrzehnte der Kunst verloren -, so vielschichtig ist auch die Reaktion der Künste auf Krieg und Frieden: Die realistische - oder vermeintlich realistische - Wiedergabe des Geschehens findet sich ebenso wie die allegorische Malerei, in der sich, angelehnt an antike Mythologie oder christliche Ikonographie, die Ängste und Hoffnungen jener Zeit verdichten.

Die Beiträge wurden verfaßt von Mitgliedern des Wissenschaftlichen Beirats, weiteren international ausgewiesenen Spezialisten und von Mitarbeitern des Ausstellungssekretariats. Alle Autoren waren bemüht, die oft komplizierten Zusammenhänge für eine breite Öffentlichkeit allgemeinverständlich und ansprechend darzustellen, ohne den Anspruch auf Wissenschaftlichkeit aufzugeben. So sind die Anmerkungen am Ende der Aufsätze auch betont kurz gehalten; die dort als Kurztitel angegebenen Literaturverweise werden in der Bibliographie nachgewiesen.

Wir danken allen, die am Zustandekommen des Werkes mitgewirkt haben. Den Lesern wünschen wir, auch im Namen der Autoren, nachdenkliche Kurzweil bei der Beschäftigung mit einer Welt, die weit in der Vergangenheit liegt und dennoch zur Gegenwart des sich vereinenden Europa gehört.


Klaus Bußmann
Ausstellungskommissar und Direktor des Westfälischen Landesmuseums für Kunst und Kulturgeschichte Münster

Heinz Schilling
Vorsitzender des Wissenschaftlichen Beirats und Professor für Geschichte der Frühen Neuzeit an der Humboldt-Universität zu Berlin

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